Weltweite Umfrage: Schutzmacht Russland?

Dr. Christian Wipperfürth ©_russland.tv
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[von Dr. Christian Wipperfürth]
Es gibt zahlreiche Ergebnisse, die aufhorchen lassen. Hier die Details:

In 66 Staaten wurde danach gefragt, welche Macht Hilfe und Schutz gewähren könne, wenn das eigene Land bedroht sein sollte. In der Mehrzahl der Länder wurden die Vereinigten Staaten genannt. Dies liegt nahe, denn nur die USA zeigen weltweite militärische Präsenz. Ein anderes Land oder andere Länder wären meist nicht in der Lage, mit Waffengewalt wirksamen Beistand zu leisten. Dieses Ergebnis war also zu erwarten, auch in Anbetracht der weltweiten Bündnisbeziehungen Washingtons.

Die Umfrage des „Worldwide Independent Network/Gallup International Association“ (WIN/GIA) birgt aber auch zahlreiche bemerkenswerte Ergebnisse. – WIN/GIA ist ein weltweiter Verbund von Markt- und Meinungsforschungsunternehmen, arbeitet u.a. für den Korruptionsindex von „Transparency International“ und ist eventueller pro-russischer Neigungen somit unverdächtig.

Vier NATO-Länder betrachten Russland als potenzielle Schutzmacht: die Türkei, Griechenland, Bulgarien und Slowenien. Warum?

In der Türkei ist die Stimmung bereits seit vielen Jahren ausgesprochen US-feindlich. Die Vereinigten Staaten genossen lange Jahre sogar in Russland eine durchweg höhere Sympathie als in der Türkei.

In Bulgarien und Griechenland wiederum gilt die Türkei als die ernsthafteste Sicherheitsbedrohung des eigenen Landes. Die Befragten sehen Russland als zuverlässigeren Partner als den großen NATO-Verbündeten. Ein Rückblick macht dies verständlich: 1974 besetzten türkische Truppen den Nordteil Zyperns und kontrollieren seitdem etwa 40% der Insel. Westliche Sanktionen gegen den NATO-Partner Türkei blieben aus. Türkische Soldaten stellen nach wie vor sogar fast jeden fünften Bewohner Nord-Zyperns.

In vier weiteren Ländern sind die Befragten gespalten, ob die USA oder Russland als potenzielle Schutzmacht betrachtet werden sollte. In Bezug auf Lettland und die Ukraine ist dies besonders bemerkenswert. Die Ukraine ist innerlich nach wie vor in einen „pro-westlichen“ und einen „pro-russischen“ Teil gespalten, obgleich Russland durch die Einverleibung der Krim in der Ukraine deutlich an Sympathie eingebüßt hat (s. hierzu hier und hier und hier . Eine Orientierung der Ukraine in nur eine Himmelsrichtung vertieft die Spaltung des Landes.

In Lettland mag ein erheblicher Prozentsatz der Bevölkerung der offiziellen Linie nicht folgen, dass von Russland eine erhebliche Bedrohung ausgehe.

 

Quellen der Folie, bearbeitet nach:

https://www.bloomberg.com/politics/articles/2017-02-17/melania-trump-s-slovenia-would-pick-russian-over-u-s-protection; https://assets.bwbx.io/images/users/iqjWHBFdfxIU/iTiXXkodLl5g/v3/1000x-1.png

Über den Autor

Dr. Christian Wipperfürth
Arbeitet als Freier Publizist, Er hat zuvor für das Europäische Parlament bzw. den Deutschen Bundestag gearbeitet und Internationale Beziehungen an der Universität in St. Petersburg gelehrt.