Wanted: Die „Raub“-Katze von Wladiwostok

Wladiwostok – Da hat sich das Sprichwort „Kleine Diebe hängt man, die Großen werden geehrt“ einmal mehr bewahrheitet. Denn jetzt ist es amtlich – die dreiste Katze, die kürzlich den Supermarkt in Wladiwostok leer gefressen hat, ist nun zur Fahndung ausgeschrieben. Ein Eastern statt Western…

Dreist wäre ja das Vieh schon gewesen, berichteten hinterher Augenzeugen. Mit stählernem Blick und den lässig provokant verkniffenen Mundwinkeln eines Profikillers, sei es schnurstracks zu Kühltheke mit Fisch und Meeresfrüchten stolziert und habe jene okkupiert. Dreist wie einst Ronnie Biggs, der 1963 mit seinen Räuberkumpels die halbe Bank of England aus einem Postzug geklaut hatte, machte sich der Kater über das Buffet her. „Sein Buffet“, so verstand er es wohl, denn an der Inbesitznahme ließ er keine Zweifel aufkommen.

Dabei zeigte sich der ausgebuffte Ganove durchaus  wählerisch. Nur die edelsten der Pretiosen schienen ihm gut genug. So bemächtigte sich der Meisterdieb ganz in Rififi-Manier zuerst der Flundern, um dann nahtlos zu den Tintenfischen überzugehen. Nachdem der erste große Hunger gestillt schien, begnügte er sich mit Häppchen aus dem Angebot. Gott sei dank wurde dieser Frevel von unerschrockenen Mitarbeitern des Wladiwostoker Flughafens auf Video aufgezeichnet, russland.RU berichtete.

Genauso selbstsicher wie der Täter den Laden betreten hat, verschwand er auch wieder. Den Kunden des Delikatessgeschäftes, die wie durch ein Wunder unverletzt geblieben sind, gefriert noch immer das Blut in den Adern, wenn sie an diesen schrecklichen Vorfall denken. Und auch der materielle Schaden wiegt hoch. Unzählige Verpackungen wurden bei der unsagbaren Attacke zerstört, zahlreiche kostbare Lebensmittel wild verstreut. Zudem musste das Geschäft nach dem Überfall komplett desinfiziert werden.

Alleine der Warenschaden wird von Experten auf unfassbare 60.000 Rubel (das entspricht derzeit etwa 1.000 Euro) beziffert. Der Betreiber des Gourmet-Tempels indes fordert nun vom Wladiwostoker Flughafen eine saftige Schadensersatzzahlung und hat bereits eine dementsprechende Rechnung gestellt. Der Airport wiederum steht vor dem großen Rätsel, wie es überhaupt zu diesem spektakulären Coup kommen konnte. Schließlich würden nachts sämtliche Türen, Rollläden und Vitrinen abgeschlossen. Und für offen gelassenes Ladeninventar sei er schon gleich gar nicht zuständig.

Indes wurde bereits eine Initiativgruppe gegründet, die die Fahndung nach dem Täter professionell gestalten will. Ob der gesuchte Halunke nun tot oder lebendig bei den Behörden abgeliefert werden soll, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis. Auf jeden Fall muss jetzt wohl Clint Eastwood helfen…

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.