Unruhe und Angst vor Zwangs-Ukrainisierung im Osten [mit Video]

Ukrainische Fahnen fallen auf der Krim - Kundgebung in Sewastopol

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Mit Sorge betrachten die Einwohner der russischsprachigen Süd und Ostukraine den Umsturz in Kiew. Ein Sprachengesetz, nachdem ihre Muttersprache in ihren Heimatregionen einen offiziellen Status hatte, wurde bereits unmittelbar nach dem Machtwechsel gekippt und voller Sorge fragt eine Onlinezeitung auf der Krim „Werden wir jetzt gezwungen, Ukrainisch zu sprechen?“

Für den vertriebenen Janukowitsch steigt dabei kaum jemand in den Ring, als Verräter wegen seiner Flucht gilt er den einen,  andere – wie Charkows Bürgermeister – distanzieren sich von ihm aufgrund seiner schlechten Amtsführung der letzten Monate. Zu Freunden des Euromaidans ist die Bevölkerung des Ostens dadurch jedoch nicht geworden. Seperatistische Tendenzen sind dabei vor allem auf der Krim feststellbar, einem fast geschlossenen russischen Sprachgebiet. Hier musste der Bürgermeister von Kertsch persönlich gemeinsam mit der Polizei aufgebrachte Bürger daran hindern, die ukrainische Fahne einzuholen und stattdessen die russische zu hissen. Sie wurde dann aus Sicherheitsgründen vor dem Rathaus ganz entfernt, damit sie nicht von den Bürgern zerstört werden kann. Dort hängt jetzt nur noch die offizielle Fahne der Krim. Bereits zuvor war eine kleine Kundgebung von Maidan-Anhängern in der Stadt in einem Hagel aus Eiern und Steinen aufgebrachter Bewohner zu Ende gegangen (russland.TV berichtete).

Eine wesentlich größere Kundgebung gab es heute in Sewastopol durch Seperatisten unter dem Motto „verteidigt die Heimat“. Deutlich sichtbar sind dabei zahlreiche russische und auch sowjetische Fahnen

Gegen wen sie verteidigt werden soll, ist im Aufruf zu lesen: Vor allem die westukrainischen Nationalisten, denen die begrenzte Autonomie der Krim schon lange in Dorn im Auge ist und die hier offen als „Faschisten“ bezeichnet werden. Währenddessen streitet die Mehrheit der offiziellen Vertreter seperatistische Gedanken  ab – wie bei einer Konferenz russischsprachiger Offizieller in der Ostukrainischen Stadt Charkow.  Dort herrscht gespannte Ruhe. Es gab vor Ort bereits ohnehin Streit um den geplanten Abriss eines Lenin-Denkmals, den kommunistische Aktivisten vor Ort notfalls gewaltsam verhindern wollen.

Durch das Sprachengesetz bekamen übrigens auch Ungarisch- und Rumänisch-sprechende Minderheitenregionen Sonderrechte, die seit gestern Geschichte sind. Diese Begleiterscheinung des Umsturzes in Kiew wird von westlichen Journalisten beflissentlich übersehen – nichts soll den Jubel über den Sieg der eigenen Favoriten trüben. Nur die russische Regierung hat die Aufhebung dieser sinnvollen Regelung verurteilt – ansonsten Schweigen. Da nimmt man es notfalls einmal nicht so genau mit dem Minderheitenschutze oder gar Menschenrechten, wenn sie einem nicht so gut ins Konzept passen. Ukrainischen Nationalismus gepaart mit einseitiger Blindheit der westlichen Beobachter wird die Ukraine so schnell nicht in ruhigere Gewässer bringen.

Foto: Kundgebung in Sewastopol (Krim, Ukraine) vom heutigen Tag