Unabhängigkeitstag Ukraine: Gegen“parade“ in Donezk [mit Videos]

Vorführung von ukrainischen Gefangenen - große Beteiligung - Rebellenoffensive mit unbekanntem Ergebnis am südöstlichen Stadtrand und weiter Artilleriebeschuss der Nationalgarde

Groß im deutschen TV zu sehen war die Kiewer Parade zum Unabhängigkeitstag. Dem deutschen TV-Zuschauer verborgen blieb bis auf einen einzelnen, sehr negativen Teilaspekt – der Vorführung von ukrainischen Kriegsgefangenen – die Tatsache, dass es in Donezk eine große Gegenveranstaltung zu diesem Event gab. Trotz zahlreicher Flüchtlinge, die die Stadt schon lange verlassen haben.

„Antifaschistische“ Kundgebung mit großer Beteiligung

Die separatistische Führung, die die Stadt noch beherrscht, hatte zuvor den ukrainischen Unabhängigkeitstag für ihr Gebiet für abgeschafft erklärt. Stattdessen fand auf den Straßen der Stadt eine so wörtlich genannte „antifaschistische Kundgebung“ statt.

https://www.youtube.com/watch?v=lzJx7v3THSI#t=15

Wie groß genau die Beteilung am Event war, darüber liegen zur Stunde noch keine gesicherten Daten vor. Nach den vorliegenden Videoaufnahmen (die Menge ist im unten stehenden Video zu sehen ab 0:45 min.) dürfte es sich aber auf jeden Fall um mehrere Tausend gehandelt haben. Als einer der wenigen ausländischen Sender hat der russische Kanal LiveNews deren Beteiligung dokumentiert:

Vorführung von Kriegsgefangenen

Wem die antifaschistischen Rufe galten, hätte man wohl auch erraten können, wenn nicht vorgeführte, gefangene Soldaten der Regierungstruppen Teil der Veranstaltung gewesen wären, hier zu sehen in Material der abchasischen Agentur Anna News. Gegen sie richtete sich natürlich der Volkszorn im Speziellen, da die Stadt seit Wochen unter Beschuss steht:

https://www.youtube.com/watch?v=0u7yRdjUqJ0

Die Vorführung und Beschimpfung durch Einwohner war vom Event das Einzige, was in der zugehörigen Meldung bei tagesschau.de oder dem Spiegel erwähnt wird – der negativste, unnötigste und kritisierendwürdigste Teil der Veranstaltung. Dieser verstößt natürlich auch gegen die entsprechende Genfer Konvention über die Behandlung von Kriegsgefangenen. Nach dem Zug durch die Stadt mit Bajonettbegleitung stiegen die Gefangenen in einen Bus und wurden mit uns unbekanntem Ziel davon gebracht.

Interessant ist jedoch bei der ARD und dem Spiegel, wenn man die „Rahmenveranstaltung“ tot schweigt und den Zug der Kriegsgefangenen losgelöst davon berichtet, dass sich dem Zuschauer mit dieser „halben Wahrheit“ das (falsche) Bild einer Gefangenenkolonne durch leere Straßen ergibt. Wahrscheinlich geht es aber nicht, Unterstützung der ostukrainischen Bevölkerung für die Rebellen zu melden, so dass nur dieser merkwürdige Weg der Berichterstattung übrig bliebt – Event nein, Vorführung ja – aber wem dann eigentlich?

Der Bürgerkrieg geht weiter

Zeitgleich mit der Parade begannen die Rebellen eine eigene Offensive südöstlich der Stadt und meldeten natürlich gleich entsprechende Erfolge. Eine Stellungnahme der Ukrainer hierzu steht zur Stunde noch aus. Auch die Nationalgarde soll laut örtlichen Medien Donezk heute wieder mit Artillerie beschossen haben.

Roland Bathon, russland.RU