Ukraine verbannt die russische Sprache

Foto: Deleuran CC0 Public Domain via PixabayFoto: Deleuran CC0 Public Domain via Pixabay
image_pdfimage_print

Die Ukraine räumt auf. Zwar nicht innerhalb ihres eigenen Parlaments, aber doch mit allem, was jemals in den Jahrzehnten zusammen mit Russland Einzug gehalten hat. Entkommunisierung nennt sich das in Kiew. Im Zuge dessen soll nun auch die russische Sprache aus dem Land verschwinden.

In Deutschland kennt man das Pendant des Entkommunisierens. Seit rund 70 Jahren wurde und wird alles entnazifiziert, was an die unseligen Zeiten erinnert. Es mag durchaus gerechtfertigt sein, Straßen umzubenennen, die mit den Namen ehemaliger Parteifunktionäre versehen sind oder Denkmäler, einst zu Ehren zwielichtiger Helden mit noch zwielichtigerem Ruhm errichtet, zu demontieren. Das Vorzeigen verfassungswidriger Symbolik, hüben wie drüben, ist ohnehin gleichermaßen unter Strafe gestellt.

In der Ukraine scheint dabei die Obrigkeit nicht immer ein glückliches Händchen zu haben. Nicht in den prorussischen Gebieten im Osten, nein im eher dem Westen zugetanen Westen, genauer in Transkarpatien, regte sich bereits der Unmut über die radikale Vorgehensweise aus Kiew. Eingeleitet wurde die Kampagne gegen das sowjetische Erbe bereits im Jahr 2014, kurz nach dem Machtwechsel.

Aus für das sowjetische Erbe

Das „Ukrainische Institut für nationales Gedenken“ hatte eine Liste veröffentlicht, auf der insgesamt 520 historischen Persönlichkeiten benannt wurden, deren Aktivitäten unter die Dekommunisierung fallen. Das prominenteste Opfer war sicherlich der „Olympiabär“, der 36 Jahre lang den Eingang des Kiewer Hotels „Libid“ zierte. Die knuffige Figur wurde dort anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1980 aufgestellt und verbrachte vor dem Hotel bis zum Sommer diesen Jahres seine ruhigen Tage.

Nun soll es auch noch der russischen Sprache an den Kragen gehen. Bis Ende 2016 soll das Russische aus allen öffentlichen Einrichtungen und Betrieben endgültig verschwunden sein. Das ukrainische Ministerium für Infrastruktur verpflichtete die ukrainischen Flughäfen, auf die Verwendung der russischen Sprache zu verzichten. „Es soll keine russische Sprache geben. Das ist nicht nur eine Frage der Verwendung der Staatssprache, sondern auch der Selbstachtung. Auch die Mitarbeiter der Flughäfen sollen mit Passagieren Ukrainisch oder Englisch sprechen“, ließ der Infrastrukturminister Wladimir Omeljan heute durch seinen Pressedienst verlauten.

Russischsprachige Aushänge sowie sämtliche Informations- und Anzeigetafeln sollen demnach nicht nur von den Flughäfen, sondern auch von sämtlichen Bahnhöfen der Ukraine verschwunden sein. Dies betrifft dann auch alle Fahrkarten, Stationsnamen und Hinweistafeln, die fürderhin nur noch auf Ukrainisch und Englisch beschriftet sein werden. Omeljan zufolge sollen laut dem Gesetz Betriebe und Behörden, die eine „Spur der Sowjetisierung“ aufweisen, umgehend umbenannt werden.

Für den Herrn Minister ist das eine prinzipielle Frage. Deshalb fordere er auch , die Transkription strikt nach den ukrainischen Bezeichnungen ins Englische zu übersetzen.

[mb/russland.RU]

 

 

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.