TV-Sprachquoten: Ukraine vertieft Spaltung der Gesellschaft

Das Gesetz, das die Fernseh- und Radiosender der Ukraine zwingt, mindestens 75 Prozent ihrer Programme in ukrainischer Sprache zu senden, ist ein diskriminierender Schritt, der die bereits angespannten interethnischen Beziehungen weiter belasten würde, kritisierte die ukrainische TV-Gesellschaft »Inter Media Gruppe«.

Die auch unter dem Namen »Inter« bekannte Mediengruppe ist überzeugt, dass „dieses Gesetz gegen die Rechte von Millionen von Ukrainern verstößt, für die Russisch die Muttersprache ist“, sowie gegen die Rechte von anderen Minderheiten, die insgesamt 17 Sprachen sprechen. „Es ist eine Frage der Menschenrechte“, heißt es in der Erklärung. „Außerdem vertiefe dieses Gesetz den Riss in der Gesellschaft und fördert die Spannungen in einer bereits angespannten Situation“, so das Dokument.

Die Maßnahme wird auch zur Verringerung der Qualität der Fernsehsendungen führen, denn „es ist unmöglich, nur mit der ukrainischen Sprache das Qualitätsniveau zu halten“.

„Russisch ist eine der globalen Sprachen, Millionen von Kopien von Lehrbüchern und Büchern wurden auf Russisch gedruckt, und es wurden viele hochqualitative russische Filme produziert. Ukrainern darf nicht der Zugang zu solch wichtigen Inhalten verweigert werden“, so die Gruppe. Andere Experten sagen, dass die ukrainischen TV-Kanäle durch die Einführung von Quoten einen erheblichen Teil ihres Publikums verlieren werden.

Am Dienstag verabschiedete das ukrainische Parlament das Gesetz in zweiter Lesung. Es fordert von den Fernseh- und Radiosendern des Landes, mindestens 75 Prozent ihrer Programme in der ukrainischen Sprache zu senden. Zwar sieht der Gesetzentwurf vor, dass Fernseh- und Rundfunkunternehmen das Recht haben, ihre Programme in der Landessprache, Minderheitensprachen oder international gesprochenen Sprachen zu verbreiten. Aber gleichzeitig sollten TV- und Radioprogramme in ukrainischer Sprache mindestens 75 Prozent der Sendezeit bekommen.

Insgesamt 269 Abgeordnete der Radar stimmten für das Gesetz über die Sprachquote für  Rundfunkmedien. Das erforderliche Mindestmaß an Stimmen für die Annahme von Gesetzen in der Rada ist 226. Ebenfalls am Dienstag kündigte der ukrainische Präsident Pjotr ​​Poroschenko an, dass er das Gesetz unterzeichnen wolle.

[hub/russland.NEWS]