Todesszenen von Mariupol – Beschuss wohl durch Rebellen [mit Videos]

Beschuss aus dem Rebellengebiet heraus in die Stadt - kein Vorrücken von Bodentruppen gemeldet

Den ostukrainischen Bürgerkrieg in seiner ganzen Härte zeigen Amateufilme aus Mariupol, die gestern ins Netz gestellt wurden. Inzwischen steht fest, dass der Beschuss aus Rebellengebiet und damit auch mutmaßlich durch die Rebellen erfolgte.

Hier sehen wir Artillerieeinschläge vom Samstag vormittags aus der Perspektive eines überraschten Autofahrers und seiner Dashcam. Im Gegensatz zu den vor ihm fahrenden ist er mit dem Schrecken davon gekommen:

Amateuraufnahmen von vor Ort

https://www.youtube.com/watch?x-yt-ts=1421914688&x-yt-cl=84503534&v=PD_bwzPbGrA

Hier sehen wir den Beschuss von Zivilgebäuden in Mariupol mit einem Raketenwerfer – veröffentlicht auf einem dem Euromaidan nahestehenden Kanal

Beschuss praktisch sicher durch Rebellen

Zwar werfen die Rebellen den Regierungstruppen vor, den Beschuss der Zivilgebäude selbst vorzunehmen. Angesichts der Ankündigung eines offensiven Vorgehens in Mariupol durch die Separatisten selbst ist es jedoch zweifelhaft, dass sie mit ihrem unzweifelhaft eigenen Feuer nicht auch zivile Einrichtungen treffen und damit das, was sie in Donezk bei den Regierungstruppen zurecht kritisieren, nun selbst zu verantworten haben. Auch die OSZE-Beobachter geben beim Beschuss von Mariupol laut der Onlinezeitung Tajmer, kein Freund des Euromaidan an, der Beschuss sei aus dem Rebellengebiet heraus erfolgte. Den Rebellen nahestehende Netzaktivisten von vor Ort erklären die Attacke mit aufgestauter Wut nach dem massiven Bruch des Waffenstillstands durch die Regierungstruppen in Donezk am letzten Sonntag. Dass Verbrechen gegen andere eine gute Antwort auf Verbrechen gegen die eigenen Leute sein sollen, darf bezweifelt werden. Fotos der Tragödie von Mariupol gibt es direkt auch bei der Onlinezeitung Mariupol Schisn hier.

Den Abschuss einer Batterie Grad-Raketenwerfer sieht man auf diesem Video, mit der Zwischen-Ankündigung eines Rebellensoldaten „Dill zu mähen“. „Ukrop“ (Dill) ist die Bezeichnung der Rebellen für Regierungssoldaten. Er spricht auch von Rache für den Bus in Donezk, in dem zuvor zahlreiche Zivilisten von mutmaßlichen Regierungssoldaten getötet wurden und zeigt wie ein Symbol die eingetretene Radikalisierung der letzten Woche auf beiden Seiten.

Bisher keine Offensive nach Beschuss

Von einer auch vom Rebellenführer Sachartschenko behaupteten Offensive kann bisher jedoch nicht gesprochen werden, da von einem Vorrücken deren Truppen oder Bodengefechten vor Ort bisher nirgends die Rede ist. Hier müsste man „Offensive“ höchstens als Abschuss von Artillerie wie Raketenwerfern definieren. Nach dem Artilleriebeschuss und -duell mit den Regierungstruppen ist bisher noch nichts weiter passiert.  Mariupol hat eine strategische Bedeutung als Hafenstadt und weil sie bei der Schaffung eines möglichen Landkorridors zwischen Rebellengebiet und Krim eine Zwischenstation wäre.

Roland Bathon, russland.RU