Terror-Großalarm in Kasachstan: Schießereien in Aktobe

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In der westkasachischen Stadt Aktobe herrscht seit Sonntag Terror-Alarm der Stufe Rot: Eine Terroristen-Gruppe, bei der es sich um radikale Islamisten handeln soll, überfiel zwei Waffengeschäfte und eine Militärgarnison.

Die Angreifer überfielen am Sonntag in der 400.000-Einwohner-Stadt zunächst ein Waffengeschäft, wobei sie zahlreiche Schusswaffen erbeuteten. Ein Verkäufer wurde dabei durch Messerstiche ermordet. Ebenfalls getötet wurde ein Wachmann, der auf ein Alarmsignal mit einem Kollegen als erstes am Schauplatz eintraf. Später kaperte ein Teil der vielköpfigen Tätergruppe einen Omnibus, jagte die Insassen auf die Straße und durchbrach mit dem Fahrzeug das Tor einer Garnison der Nationalgarde.

Dort sowie an einem zweiten Waffengeschäft kam es zu Schusswechseln zwischen den Terroristen und der Polizei und der Nationalgarde. Nach Angaben der Agentur total.kz wurden insgesamt drei Zivilisten, drei Polizisten und nach und nach mindestens neun der Angreifer getötet. Wie viele von ihnen fliehen oder sich verstecken konnten, blieb unklar. Die russischsprachige Internetzeitung Mesuda.io mit Sitz in Lettland spricht von insgesamt 23 Angreifern, von denen inzwischen zwölf umgekommen seien. Sechs oder sieben bewaffnete Männer seien nach Darstellung des Innenministeriums noch auf der Flucht.

Am Montagmittag kam es zu einer weiteren Schießerei an einem Polizeiposten auf einer Landstraße außerhalb der Stadt, die nur 70 Kilometer von der russischen Grenze entfernt gelegen ist. Angaben zur Zahl eventueller neuer Opfer gab es vorerst nicht. Auch die Zahl der Verletzten ist noch unklar. Informburo.kz zitiert einen Arzt des Zentralen Krankenhauses, der erklärte, es würden immer wieder neue Verletzte eingeliefert. Über Aktobe, das in Sowjetzeiten Aktjubinsk hieß, wurde eine nächtliche Ausgangssperre wegen des Antiterroreinsatzes verhängt. Auch landesweit gilt in Kasachstan momentan wegen des Terrorangriffs Alarmstufe gelb.

Laut „Radio Swoboda“ bekannte sich eine bisher nicht in Erscheinung getretene „Befreiungsarmee Kasachstans“ zu den Angriffen. Es habe sich dabei um „den ersten Kampf der Unterstützer eines demokratischen Entwicklungswegs Kasachstans“ gegen die „Diktatur der Nasarbajew-Clique“ gehandelt.

Das Innenministerium sprach hingegen von „radikalen Anhängern nichttraditioneller religiöser Tendenzen“. Es seien bereits alle Täter identifiziert, Namen und Nationalitäten der mutmaßlichen Radikalislamisten wurden jedoch nicht genannt.

Maulen Aschimbajew, der Vorsitzende des Parlamentsausschusses für internationale Angelegenheiten, Verteidigung und Sicherheit erklärte, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Kämpfer des IS handele, die sich aufgrund des Vormarschs der Regierungstruppen in Syrien und im Irak nun von dort zurückgezogen hätten.

[ld/russland.RU]

Über den Autor

Lothar Deeg
Lothar Deeg geboren 1965 und gebürtig aus Bad Mergentheim. 1991 infizierte ich mich als frisch gebackener Diplom-Journalist auf einer Reise nach Wladiwostok mit dem Russland-Virus. Rudimentär mit VHS-Russischkenntnissen ausgestattet hängte ich 1994 meinen Redakteursposten beim „fliegermagazin“ an den Nagel und siedelte von München nach St. Petersburg um. Dort schreibe ich seitdem als freier Journalist über alles, was mir aus Stadt und Land berichtenswert erscheint – unter anderem als Korrespondent des epd und des Logistik-Fachblatts „Verkehrsrundschau“. Momentan arbeite ich an meinem dritten und vierten Reiseführer über St. Petersburg. Meine Lieblingsjobs sind aber Städte- und Personenporträts für das Bordmagazin der Airline Swiss.