Telegram-Traffic in Russland bricht ein – Nutzer weichen auf andere Messenger aus

Telegram-Traffic in Russland bricht ein – Nutzer weichen auf andere Messenger aus

Der Datenverkehr von Telegram in Russland ist im März spürbar zurückgegangen. Nach Angaben von „Kommersant“ unter Berufung auf Daten von Digital Budget sank der mobile Eingangstraffic des Messengers im März um 18 Prozent gegenüber dem Vormonat. Bereits im Februar war ein Rückgang um zehn Prozent verzeichnet worden, während Telegram im Januar noch ein Plus von fünf Prozent erreicht hatte.

Noch deutlicher fiel der Rückgang bei der Desktop-Nutzung aus: Der eingehende Desktop-Traffic von Telegram schrumpfte im März um 22 Prozent. Zugleich stieg der ausgehende Traffic des Messengers um 66 Prozent. Digital Budget deutet dies so, dass Nutzer häufiger aus Telegram heraus auf externe Webseiten wechseln – ein Umstand, der für den Werbemarkt vorerst noch relevant bleibt.

Hintergrund sind die Einschränkungen der Telegram-Nutzung in Russland. Anfang März hatte die Antimonopolbehörde FAS Werbung in Telegram und YouTube wegen der Blockierungen durch Roskomnadsor zunächst als unzulässig eingestuft. Später verschob die Behörde das Verbot jedoch bis Ende 2026.

Parallel zum Rückgang bei Telegram wachsen mehrere Alternativdienste. Beim russischen Messenger Max stieg der mobile Traffic im März um 61 Prozent, nachdem er im Januar noch um 24 Prozent gefallen war. Laut Unternehmen lag die Zahl registrierter Nutzer Anfang April bei 110 Millionen, die tägliche Nutzerschaft bei mehr als 80 Millionen.

Auch andere Dienste profitierten von der veränderten Lage. Der Telegram-Fork Telega verzeichnete laut Digital Budget im Februar ein Plus von 2.100 Prozent und im März noch einmal 260 Prozent. Das Unternehmen selbst erklärte, der starke Zuwachs habe zeitweise Wartelisten und eine schrittweise Freischaltung neuer Nutzer nötig gemacht. Am 9. April wurde Telega aus dem App Store entfernt; das Unternehmen beschwerte sich daraufhin bei der FAS über Apple.

Der VK-Messenger kam im Februar auf ein Plus von 260 Prozent, stagnierte im März aber nahezu. Der Unternehmensmessenger „Patschka“ wuchs im Februar um 53 Prozent und im März um weitere fünf Prozent. Nach Angaben des Dienstes stieg der Traffic im März im Vergleich zum Februar sogar um mehr als das Doppelte; im selben Monat registrierten sich mehr als 8.000 Unternehmen.

Trotz der Rückgänge bleibt Telegram nach den verfügbaren Reichweitendaten der wichtigste Messenger in Russland. Mediascope bezifferte die monatliche Reichweite im März auf 94,3 Millionen Menschen, entsprechend 76,5 Prozent der Bevölkerung. Die durchschnittliche Tagesreichweite lag bei 72,2 Millionen Nutzern.

Marktbeobachter sehen daher weniger eine vollständige Abwanderung als eine Veränderung des Nutzerverhaltens. Der Analyst Alexej Koslow vom Zentrum zur Überwachung von Cyberbedrohungen „Spikatel“ erklärte gegenüber „Kommersant“, Nutzer suchten Dienste, die in Russland garantiert funktionierten. Die Zielgruppe verlasse Telegram nicht unbedingt, sondern halte inzwischen zwei bis drei Messenger für unterschiedliche Aufgaben bereit.

Für Telegram ist der Rückgang dennoch ein Warnsignal. Die Plattform bleibt zwar in Russland reichweitenstark, verliert aber unter den Bedingungen technischer Einschränkungen einen Teil der direkten Nutzung. Gleichzeitig nutzen staatlich besser eingebundene oder russische Alternativen die Unsicherheit, um sich als Ausweichkanäle zu positionieren.

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