Tausende demonstrieren gegen weißrussische Regierung

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Tausende Oppositionsanhänger haben in der weißrussischen Hauptstadt Minsk einen Marsch zum Gedenken an die Tschernobyl-Katastrophe in eine Demonstration gegen die autoritäre Regierung von Präsident Alexander Lukaschenko verwandelt. Rund 6000 Demonstranten zogen am Mittwoch durch die Straßen von Minsk und forderten den Rücktritt des Präsidenten.

Oppositionsführer Alexander Milinkewitsch rief vor jubelnden Demonstranten dazu auf, Lukaschenko „in Übereinstimmung mit der Verfassung zu vernichten“. Die Polizei nahm mehrere Oppositionspolitiker fest.

Die Präsidentschaftswahl vor einem Monat sei eine Farce gewesen, rief Milinkewitsch. Die Gegner des autoritären Präsidenten wollten sich „von den Knien erheben und der Angst entkommen“. Die Opposition werde Flugblätter verteilen, das Internet nutzen und nicht aufgeben, bis der Präsident gestürzt sei. Für den Maifeiertag kündigte der Oppositionsführer einen weiteren Protestmarsch an.

Bei der Demonstration wurden nach Angaben von Milinkewitschs Bewegung rund zwölf Oppositionelle festgenommen. Der Führer der Oppositionsbewegung Weißrussische Volksfront, Winzuk Wjatschorka, wurde nach Polizeiangaben zum Verhör auf eine Polizeiwache gebracht. Auch der Führer der Vereinten Bürgerpartei, Alexander Lebedko, verschwand im Laufe des Tages, sein Auto wurde nach Angaben seiner Partei auf einem Polizeigelände entdeckt.

Bei der Demonstration zum 20. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl kritisierten Redner den Umgang der weißrussischen Regierung mit den Folgen des Unglücks. Vor allem ein Regierungsprogramm zur Wiederansieldung der vor 20 Jahren vom radioaktiven Fallout verseuchten Gebiete in Weißrussland wurde kritisiert. Er sei schockiert vom Verhalten der Regierung, sagte der Wissenschaftler Iwan Nikitschenko, der vor 20 Jahren bei den Aufräumarbeiten in Tschernobyl geholfen hatte: „Gestern hat der Präsident gesagt, dass jetzt alles sauber sei, dass man die Milch wieder trinken kann – ich bin entsetzt.“

Die nach dem Tschernobyl-Unglück am 26. April 1986 freigesetzte radioaktive Wolke ging größtenteils über der Ukraine und Weißrussland, aber auch in großen Teilen Europas nieder. UN-Behörden geben an, insgesamt würden etwa 4000 bis 9000 Menschen durch die Folgen des Unglücks sterben. Umweltschützer rechnen mit mindestens 100.000 Todesopfern in Folge der Katastrophe.