Syrien-Einsatz: Vorwürfe gegen Russland erstunken und erlogen?

Foto: TV-ScreenshotFoto: TV-Screenshot
image_pdfimage_print

Kaum greift Russland in das Geschehen zur Bereinigung des IS in Syrien ein, rattern die Mechanismen der Propaganda auf vollen Touren. Nicht jedem ist es recht, das Moskau nun in Syrien das Heft in die Hand nimmt. Sozusagen das umsetzt, wozu Amerika und Frankreich nicht in der Lage zu sein scheinen.

Die russischen Luftstreitkräfte waren noch nicht einmal richtig zu ihrem Stützpunkt im Nordwesten Syriens zurückgekehrt und schon wusste das Zweite Deutsche Fernsehen, dass der Ivan bereits wieder „ein Massaker“ angerichtet hat. Auch die BILD-Zeitung war nicht müßig, die „Gräueltaten“ der russischen Kampfflieger haarklein auszuschlachten. Russland habe gar keine Stellungen der ISIS im Land bekämpft. Zellen der Terrorvereinigung seien nicht einmal berührt worden. So hieß es quer durch die Bank in der selbsternannten deutschen Qualitätspresse.

Flächendeckend Zivilbevölkerung wäre beschossen und ohne Rücksicht auf Verluste unschuldige Frauen und Kinder getötet worden. Die Zahlen, die darauf folgten lesen sich fürchterlich: 27 bei den einen, 35 bei den anderen und irgendwann stand einmal die Zahl 44 im Raum. Verluste beim IS? Fehlanzeige. Nicht einmal die angegriffenen Stellungen der Terrorkommandos seien welche gewesen. Lapidare Kommandos ohne Bezug zum IS. „Hier werden Zivilisten angegriffen, keine Terroristen“, berichteten Augenzeugen exklusiv dem ZDF. Auch wussten diese: „Luftangriffe sind alltäglich – aber nicht so ein Höllenfeuer wie heute.“

Widersprüche in sich

Widersprüchlich wird es, wenn ein anderer dieser Augenzeugen behauptet: „Es gab hier in Talbisah seit längerem keine Kämpfe. Es war ruhig. Wir sind auch keine IS-Hochburg, das ist Propaganda. Hier werden Zivilisten angegriffen, keine Terroristen.“. Nicht einmal das Pentagon wollte diese Vorwürfe bestätigen. Alle Schläge gegen Positionen der Terrormiliz Islamischer Staat seien erst nach einer sorgfältigen Aufklärung und aufgrund der vom Stab der syrischen Armee erhaltenen Daten geführt worden, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau. Lediglich Saudi-Arabien forderte bereits einen Tag nach Beginn der russischen Luftschläge die Vereinten Nationen auf, dem Treiben ein Ende zu setzen.

Nun stellte sich heraus, dass die Meldungen zu den Toten in der Zivilbevölkerung schon vor dem Luftschlag veröffentlicht wurden. Die martialischen Bilder, die dazu geliefert wurden, stammen nachweislich aus der letzten Woche und haben mit einem russischen Militäreinsatz soviel gemeinsam, wie ein Pferd mit einem Flugzeug. „Wir waren auf solche Informationsattacken vorbereitet“, ließ der russische Präsident Putin verlauten. Keine Verdrehung der Wahrheit indes ist, dass die USA bereits seit längerem Bombardements gegen IS-Stellungen fliegt. Nur eben ohne nennenswerten Erfolg. Russland hingegen hat offensichtlich bereits am Mittwoch acht Stück derer nachhaltig ausgelöscht, einfach so eliminiert.

Wenn man es in diesem grausamen Spiel auf den Punkt bringen möchte, hieße dies: Die US-Air Force setzt auf Masse, auf einen getöteten Terroristen kommen immerhin stolze 20 tote Zivilisten, Russland hingegen auf Klasse. Nur der deutschen Mainstream-Presse schmeckt das so nicht. In blindem NATO-Gehorsam wird sie nicht müde, Russlands strategische Erfolge binnen kürzester Zeit durch den Dreck zu ziehen und bisheriges Versagen der westlichen Bündnispartner über den Schellenkönig zu loben. Wir wünschen Ihnen deshalb schon heute für morgen viel Spaß bei der Lektüre Ihrer Tageszeitung.

[mb/russland.RU]

bildsnhr

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.