St. Petersburg – Moskau per Tretroller

Foto: Wikipedia/ashleigh290 CC BY 2.0 originally posted via FlickrFoto: Wikipedia/ashleigh290 CC BY 2.0 originally posted via Flickr
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Alle Welt redet derzeit von Olympia. Doping, sportpolitische Skandale und das ganze Gekaspere um die russischen Teinehmer beherrschen die Medien. Gott sei dank jedoch gibt es aber auch noch die kleinen Helden des Alltags, die auf ihre kleinen Erfolge genauso stolz sind, wie die Hochdotierten auf ihre Großen.

Einer davon ist der St. Petersburger Alexander Rendakow, der die rund 700 Kilometer lange Strecke von der Newametropole bis nach Moskau in lediglich sechs Tagen zurücklegte – mit einem Tretroller! Sein Tagespensum lag bei beachtlichen 120 Streckenkilometern am Tag. Man mag sich gern vorstellen, wie stolz Rendakow gewesen sein muss, als er in der russischen Hauptstadt ankam. Für ihn war es ein Triumph.

Vor allem war es für ihn in erster Linie ein Triumph über sich selbst. „Das war hart, alles tat weh, aber ich glaube, dass es die Reise wert war. Ich habe es für meinen Traum gemacht. Als ich den Roller gekauft hab, hat das mein Leben verändert. Mit der Zeit entstand der Wunsch, mit ihm nach Moskau zu fahren. Und nun ist das Ziel erreicht“, sagte der tretende Held gegenüber örtlichen Medien, als er auf dem Roten Platz „eingerollt“ war.

Rendakows Gepäck, insgesamt zehn Kilogramm schwer, bestand lediglich aus einem Zelt und Schlafsack, einer warmen Jacke und einem Erste-Hilfe-Kasten. Er kaufte, um sich während der Tortur fit zu halten, nur hin und wieder Lebensmittel in Supermärkten. Was er sonst noch benötigte um die lange Distanz durchzustehen, frische Beeren und Gemüse beispielsweise, bekam er von Anwohnern entlang der Strecke aus ihren Gärten geschenkt.

Zur Heimreise zurück nach St. Petersburg bestieg Alexander Rendakow allerdings dann doch lieber den Zug. Seinen persönlichen Triumph hatte er ja schließlich geschafft.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.