Sotschi 2014 – Ein Autorennen, viel Kritik und keine Diskussionen

Sotschi – Russland fiebert mit dem Rest der Welt auf den morgigen Sonntag hin, an dem endlich wieder ein Grand Prix der Königsklasse im ehemaligen Zarenreich gestartet wird. Die Piloten sind sich einig – der Kurs ist gelungen. Anspruchsvoll und dazu noch traumhaft gelegen. Eigentlich die perfekte Inszenierung für den Formel-1 Zirkus, der vom Spektakulum lebt.

Wenn da nicht, ja wenn da nicht die permanenten Kritiker wären, die derzeit versuchen, alles was aus Russland kommt oder von Russland initiiert wird, schlecht zu reden. Von „Putins nächster Protzstufe“ weiß spiegel-online zu berichten. Die FAZ spricht von der „Formel 1 am Hof des Zaren“ und für die Zeit ist es „Russland-Werbung auf Rädern“. „Ob man das Rennen nicht gleich ganz boykottieren solle“, sogar davon war bereits die Rede. Allen Unkenrufen zum Trotz findet diese Veranstaltung nun doch statt und das hat seinen gutem Grund.

Zum einen, da sind sich die Verantwortlichen einig, will sich die Formel-1 von der Politik distanzieren. Als „Depressive Fragerei“ wetterte das Red-Bull-Sprachrohr Christian Horner die Formulierung nach der moralischen Vertretbarkeit, den Zirkus in China, Bahrain oder anderen unliebsamen Ländern stattfinden zu lassen, ab. Zum anderen geht es natürlich auch um Geld. Bei den ausgehandelten Verträgen soll es sich um eine jährliche Einspülung von weiteren 50 Millionen US-Dollar handeln. Geld, das auch den chronisch klammen Rennställen zufließen soll.

Die Rennfahrer indes, denen der Kurs rundum Vergnügen bereitet, ließen bei der Pressekonferenz durch ihren McLaren-Kollegen Jenson Button verlauten, dass sie sich nicht zu den politischen Angelegenheiten Russlands äußern werden. Somit bleibt die Formel-1 vorerst unpolitisch und alle Piloten stoßen in das gleiche Horn. Wenn, dann sei das sowieso Sache der Teamchefs. Die Helden der Piste schienen durch ihre Entscheidung sichtlich erleichtert. Zumal die Fahrer ja auch einen ganz anderen Auftrag in Sotschi haben, wie sie demonstrativ betonen.

Es gehe ihnen schließlich darum, die nötigen Punkte für ihre Auftraggeber und deren Klassement in der Gesamtwertung einzufahren. Und dafür galt es heute die letzten Vorbereitungen zu treffen. Die Qualifikationen für die Startplätze zum morgigen Renntag standen an. Sebastian Vettel, der amtierende Weltmeister scheint mit seinem Red-Bull-Renault noch kleine Nicklichkeiten mit der Streckenführung in Sotschi zu haben und startet morgen deshalb nur von Platz 11. Der Spanier  Fernando Alonso belegte mit seinem Ferrari immerhin den achten Startplatz.

Wie schon bei den gestrigen Eingewöhnungsläufen fanden die beiden Mercedespiloten offenbar die bessere Spur und stehen in der vordersten Startreihe. Die Pole Position sicherte sich dabei der Brite Lewis Hamilton, unmittelbar dahinter lauert Nico Rosberg. Wir freuen uns bis dahin auf ein spannendes Rennen…

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.