KPRF-Chef Gennadi Sjuganow hat die Reaktion des Kremls auf ein viel beachtetes Video der Bloggerin Viktoria Bonja zum Anlass für scharfe Kritik genommen. Nach Angaben der russischen Zeitung Kommersant zeigte er sich irritiert darüber, dass die Führung auf Bonjas Warnungen vor wachsender Unzufriedenheit reagiere, ähnliche Signale der Kommunisten jedoch übergehe.
Dabei verwies Sjuganow auf soziale und wirtschaftliche Probleme und zog eine historische Parallele zu den Ereignissen von 1917. „Warum hat man die Dame aus Monaco gehört, uns aber nicht?“ Seine Warnung: Wenn der politische Kurs nicht korrigiert werde, könne sich die soziale Stimmung im Herbst gefährlich zuspitzen.
Den Politiker hat besonders beeindruckt, dass Bonja Probleme, die viele in Russland nicht wahrhaben wollen, erkannt hat, die außerhalb des Landes sichtbar sind, zum Beispiel die Massenkeulung von Vieh im Gebiet Nowosibirsk und die Folgen der Überschwemmungen in Dagestan. Seinen Worten zufolge hätten seine Fraktionskollegen über diese und andere Situationen „hundertmal in der Duma gesprochen“ und sogar konkrete Lösungen vorgeschlagen: „Der Plan liegt auf dem Tisch, und der Plan und das Programm – alles ist da.“
Wenn der Kreml die Fähigkeit verliert, alle Bevölkerungsgruppen anzuhören, könnte es, wie 1917, zu einem Aufstand hungernder Frauen kommen. Die stürmten damals die Betriebe und vertrieben die Männer, die dann den Befehl zum Schießen gaben. Aber in jeder Gesellschaft gäbe es eine Grenze, „an der auch Schießen nichts mehr nützt“, warnte Sjuganow.
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