Russlands Schüler sollen Wasser, Wärme und Strom sparen lernen

Russlands Schüler sollen Wasser, Wärme und Strom sparen lernen

Russische Schüler sollen künftig nicht nur Mathematik, Geschichte und Gesellschaftskunde lernen, sondern auch den richtigen Umgang mit Wasser, Wärme und Elektrizität. Der Energieminister der Region Smolensk, Nikolai Borissow, will Grundkenntnisse über Energieeinsparung und kommunale Dienstleistungen in den landesweiten Lehrplan aufnehmen lassen.

Borissow stellte die Initiative bei einer gesamtrussischen Konferenz zum Energiesparen vor. Nach seinen Worten müsse bereits bei Kindern die Fähigkeit entwickelt werden, Wasser, Heizenergie und Strom zu Hause wie auch in der Schule bewusst zu verbrauchen.

„Das Thema Wohnungs- und Kommunalwirtschaft ist ebenso wichtig wie andere Themen, die heute in der russischen Mittelschule behandelt werden“, erklärte der Regionalminister gegenüber Kommersant.

Vorgesehen ist offenbar kein eigenes Schulfach. Die Grundlagen der Wohnungs- und Kommunalwirtschaft könnten vielmehr in die bereits bestehenden „Gespräche über Wichtiges“ aufgenommen werden. Diese Unterrichtsstunden wurden 2022 eingeführt und behandeln neben Geschichte, Gesellschaft und staatlicher Politik inzwischen zahlreiche Fragen des täglichen Lebens.

Hinter der Initiative steht neben der Regierung des Gebiets Smolensk die Vereinigung regionaler Energiesparzentren. Deren Generaldirektorin Tatjana Sokolowa kündigte an, den Vorschlag an die Staatsduma, den Föderationsrat und die russische Regierung weiterzuleiten.

Nach ihrer Einschätzung reicht pädagogische Aufklärung allein jedoch nicht aus. Auch die föderale Gesetzgebung müsse wesentlich verändert werden, um sparsamen Energieverbrauch stärker zu fördern und zu belohnen. Einzelheiten zu möglichen finanziellen Anreizen wurden zunächst nicht genannt.

Die Idee, Schülern Grundkenntnisse über die Wohnungs- und Kommunalwirtschaft zu vermitteln, ist in Russland nicht neu. Bereits im Frühjahr war vorgeschlagen worden, entsprechende Inhalte entweder in die „Gespräche über Wichtiges“, den Gesellschaftskundeunterricht oder das Fach Werken aufzunehmen.

Der Vorstoß aus Smolensk berührt einen sehr alltäglichen, für viele russische Familien jedoch empfindlichen Bereich. Unter dem Kürzel ЖКХ werden Wasserversorgung, Heizung, Strom, Müllentsorgung und die Verwaltung von Wohngebäuden zusammengefasst. Steigende Gebühren, unverständliche Abrechnungen und der Zustand kommunaler Leitungsnetze gehören regelmäßig zu den Beschwerden der Bevölkerung.

Ob aus dem Vorschlag tatsächlich eine verbindliche Vorgabe für alle russischen Schulen wird, ist bislang offen. Noch handelt es sich um eine regionale Initiative, die erst den föderalen Institutionen vorgelegt werden soll. Dennoch zeigt sie, wie sehr der sparsame Umgang mit knappen und teurer werdenden Ressourcen inzwischen auch als Erziehungsaufgabe verstanden wird: Die nächste Generation russischer Verbraucher soll früh lernen, dass Wärme, Wasser und Strom nicht einfach aus der Wand kommen.

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