Russlands Reisepass ist im Henley Passport Index seit Jahresbeginn um vier Plätze zurückgefallen, obwohl die Zahl der ohne vorheriges Visum zugänglichen Reiseziele leicht gestiegen ist. Zugleich kündigt sich eine konkrete Einschränkung an: Montenegro verlangt von russischen Staatsbürgern ab November ein Visum.
Russland belegt im aktuellen Pass-Ranking der Beratungsfirma Henley & Partners den 50. Platz. Im Januar lag das Land noch auf Rang 46. Gleichzeitig stieg die Zahl der Reiseziele, die russischen Passinhabern ohne vorherige Visumbeschaffung offenstehen, von 113 auf 114. Das berichtet das Wirtschaftsmagazin Expert unter Berufung auf den Index.
Der scheinbare Widerspruch erklärt sich aus der relativen Bewertung: Die Platzierung hängt auch davon ab, wie sich die Zugangsmöglichkeiten anderer Nationalitäten entwickeln. Vier verlorene Ränge bedeuten deshalb nicht automatisch vier zusätzliche verschlossene Grenzen. Nach der Gesamtzahl der erfassten Ziele stehen russische Reisende sogar geringfügig besser da als zu Jahresbeginn.
Unmittelbar vor Russland liegt Venezuela auf Platz 49 mit 115 Reisezielen. Die Türkei und Katar folgen mit jeweils 112 Zielen auf Rang 51. An der Spitze steht Singapur, dessen Bürger 193 Destinationen ohne vorheriges Visum erreichen können. Japan, Südkorea und die Vereinigten Arabischen Emirate teilen sich mit 188 Zielen den zweiten Platz, gefolgt von Schweden mit 187.
Elf europäische Länder, darunter Deutschland, liegen mit jeweils 186 Reisezielen auf Rang vier. Großbritannien erreicht mit 184 Zielen Platz sechs, die USA mit 180 Platz zehn. Am unteren Ende stehen Irak mit 28, Syrien mit 25 und Afghanistan mit 22 zugänglichen Destinationen. Zwischen Singapur und Afghanistan liegt damit eine Differenz von 171 Reisezielen.
Für russische Reisende steht unterdessen eine Veränderung bevor, die sich unmittelbar auf die Urlaubsplanung auswirken kann. Nach Angaben des russischen Botschafters in Montenegro, Alexander Lukaschik, hat die Regierung in Podgorica Moskau offiziell über die Einführung einer Visumpflicht zum 1. November 2026 informiert.
Wie Expert berichtet, soll die Einreise künftig mit einem montenegrinischen Visum oder mit anerkannten Visa bestimmter anderer Staaten möglich sein, darunter Visa aus dem Schengen-Raum. Die Neuregelung betrifft neben russischen Staatsbürgern auch Reisende aus Belarus, China, Saudi-Arabien und der Türkei. Die bislang bestehende Möglichkeit, allein mit dem russischen Reisepass visumfrei einzureisen, entfällt damit.
Gerade dieses Beispiel zeigt die Grenzen der Gesamtstatistik. Ein zusätzliches zugängliches Ziel kann zahlenmäßig den Verlust eines anderen ausgleichen. Für jemanden, der regelmäßig nach Montenegro reist, ist ein neu hinzugekommenes Ziel anderswo jedoch kein gleichwertiger Ersatz. Der Index zählt Destinationen, nicht deren persönliche Bedeutung.
Auch der Begriff „visafrei“ ist im Ranking weiter gefasst als im alltäglichen Sprachgebrauch. Henley berücksichtigt neben der Einreise ohne Visum auch Visa bei Ankunft und elektronische Reisegenehmigungen, sogenannte ETA. Vorab zu beantragende elektronische Visa werden dagegen nicht mitgezählt. Untersucht werden insgesamt 199 Reisepässe und 227 Reiseziele, darunter auch Territorien, die keine eigenständigen Staaten sind.
Russlands Bilanz fällt damit zweigeteilt aus: Die Zahl der im Index erfassten Zugangsmöglichkeiten ist gegenüber Januar leicht gewachsen, die internationale Platzierung hat sich verschlechtert. Mit Montenegro fällt nun zugleich eine bisherige visumfreie Reisemöglichkeit weg. Wie offen die Welt für russische Passinhaber ist, entscheidet sich für den Einzelnen weniger an Rang 50 als an der Grenze, die er tatsächlich passieren möchte.

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