Vom Mond zum Mars: Russland und China erweitern ihre Raumfahrtpläne

Vom Mond zum Mars: Russland und China erweitern ihre Raumfahrtpläne

Russland und China wollen ihre Zusammenarbeit im Weltraum ausbauen: von der Satellitennavigation über gemeinsame Mondmissionen bis zur Erforschung des Mars. Im Zentrum steht eine internationale Mondstation, für deren Stromversorgung Russland eine Kernkraftanlage errichten soll. Für die Marsmission bleiben Zeitplan und Umfang bislang offen.

Russland und China beginnen nach Angaben des Roskosmos-Chefs Dmitri Bakanow mit der Herstellung von Geräten und Technik für eine gemeinsame Marsmission. Die Ankündigung gehört zu einem umfassenderen Kooperationsprogramm, das Bakanow am 21. Oktober gegenüber Journalisten erläuterte. Es umfasst drei Bereiche: Satellitennavigation, Mondforschung und die Erforschung des Mars.

Bei der Navigation wollen beide Länder die Möglichkeiten des russischen Systems GLONASS und des chinesischen BeiDou bündeln, um die Genauigkeit der Positionsbestimmung zu verbessern. Für die Mondforschung verwies Bakanow auf die Zusammenarbeit bei der chinesischen Mission Chang’e-7. Als weiteres Vorhaben kündigte er die gemeinsame Marsmission an.

Wie weit deren Vorbereitung gediehen ist, bleibt allerdings unklar. Die Aussage über die Herstellung von Instrumenten und Technik benennt einen konkreten Arbeitsbereich, enthält aber weder einen Starttermin noch Angaben über die Aufgabenverteilung oder das wissenschaftliche Programm. Eine bemannte Expedition wurde damit ebenfalls nicht angekündigt.

Deutlich ausführlicher beschrieben ist die Zusammenarbeit auf dem Mond. Russland und China entwickeln gemeinsam die Internationale Wissenschaftliche Mondstation, abgekürzt MNLS. Nach Bakanows Angaben beteiligen sich daran außerdem 14 Staaten und zwei internationale Organisationen. Russland soll mit dem Bau einer Kernkraftanlage eine zentrale Aufgabe übernehmen: die Stromversorgung der künftigen Forschungsstation.

Das Mondprogramm ist dabei als langfristiger Aufbauprozess angelegt. Einzelne Missionen sollen ineinandergreifen und schrittweise die Voraussetzungen für eine dauerhaft nutzbare Forschungsinfrastruktur schaffen. Bereits im April 2025 hatte Roskosmos erklärt, dass die russischen Projekte Luna-26, Luna-27 und nachfolgende Vorhaben mit den chinesischen Aktivitäten zu einem einheitlichen System verbunden werden sollen.

Die geplante Station soll einen Komplex auf der Mondoberfläche und/oder in der Mondumlaufbahn bilden und Forschung in unterschiedlichen Disziplinen ermöglichen. Die Kernkraftanlage gehört in dieser Konzeption zur grundlegenden Infrastruktur. Ihre Bedeutung reicht damit über die Versorgung eines einzelnen Instruments oder einer zeitlich begrenzten Mission hinaus.

Das zwischenstaatliche Abkommen über die Errichtung der Station wurde im November 2022 geschlossen. Im Juni 2024 ratifizierte Präsident Wladimir Putin die Vereinbarung. Für den Bau ist nach der bisherigen Planung der Zeitraum von 2031 bis 2035 vorgesehen. Im Mai 2025 unterzeichneten Roskosmos und die chinesische Raumfahrtbehörde zudem ein Memorandum zur Zusammenarbeit beim Mondkraftwerk.

Die Marsankündigung erweitert diese Partnerschaft nun um ein weiteres langfristiges Ziel. Dabei unterscheiden sich die öffentlich erkennbaren Planungsstände erheblich: Für die Mondstation bestehen Abkommen, ein vorgesehener Bauzeitraum und eine benannte russische Infrastrukturaufgabe. Beim Mars ist bisher vor allem die Absicht zur gemeinsamen Arbeit samt angekündigter Gerätefertigung bekannt.

Politisch lässt sich darin der Anspruch erkennen, die russisch-chinesische Raumfahrtkooperation über einzelne Projekte hinaus zu verstetigen. Ob daraus ein tragfähiges gemeinsames Marsprogramm entsteht, wird sich an den nächsten Schritten zeigen: an konkreten Forschungszielen, gesicherter Finanzierung und einem belastbaren Zeitplan. Auf dem Mond soll zunächst die Infrastruktur entstehen, an der sich dieser Anspruch praktisch bewähren muss.

COMMENTS