Russland muss sich nach Einschätzung von Katastrophenschutzminister Alexander Kurenkow auf neue, bislang nur schwer vorhersehbare Notlagen einstellen. Neben Waldbränden, Überschwemmungen und extremen Wetterereignissen sieht er eine wachsende Gefahr in der engen Verknüpfung technischer Infrastrukturen.
Die zunehmende Vernetzung kritischer Systeme schaffe neue Schwachstellen, erklärte Kurenkow in einem Interview mit der Zeitschrift „Sojusniki. ODKB“. Ein zunächst lokaler Ausfall könne sich nach dem Domino-Prinzip schnell auf andere Branchen ausbreiten. Solche Katastrophen blieben dann nicht mehr auf einen Betrieb oder den Zuständigkeitsbereich einer einzelnen Behörde begrenzt.
Als weiteres Risiko nannte Kurenkow großflächige Überschwemmungen durch überfüllte Stauseen, unter anderem in Kasachstan. Auch Landschafts-, Steppen- und Waldbrände könnten leicht Staatsgrenzen überschreiten. Ihre Bekämpfung werde jedoch durch rechtliche und logistische Hindernisse erschwert: Rettungskräfte und schweres Gerät könnten Grenzen nicht ohne Weiteres passieren.
Der Minister fordert deshalb innerhalb der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, der OVKS, vorab vereinbarte grenzüberschreitende Verfahren. Dazu gehörten gemeinsame Einsatzpläne sowie der schnelle Austausch von Daten aus der Satellitenüberwachung.
Der Hintergrund ist eine deutliche Zunahme von Naturkatastrophen in Russland. Nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums wurde im ersten Halbjahr 2026 die höchste Zahl entsprechender Ereignisse seit fünf Jahren registriert. Besonders häufig waren Waldbrände, Hochwasser und extreme Wetterlagen. Mehr als 845.000 Menschen waren von Katastrophen betroffen – sechsmal so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Kurenkows Warnung verbindet damit zwei Entwicklungen: Die Naturereignisse nehmen zu, während die technischen und wirtschaftlichen Systeme immer enger miteinander verflochten sind. Aus einem örtlich begrenzten Brand, Hochwasser oder Stromausfall kann so eine Kette von Störungen entstehen, deren Verlauf sich kaum noch im Voraus berechnen lässt.

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