Gottes Gnade mit Sprengkraft: Patriarch Kirill entdeckt den Himmel über der Atombombe

Gottes Gnade mit Sprengkraft: Patriarch Kirill entdeckt den Himmel über der Atombombe

Wo sowjetische Physiker einst Uran und Plutonium spalteten, erkennt der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill heute das Wirken Gottes. Die Entwicklung der sowjetischen Atombombe im einstigen Klosterort Sarow sei eine Erscheinung der „Gnade und Barmherzigkeit Gottes“ über Russland gewesen, erklärte das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche.

Kirill sprach nach einer Liturgie im Dreifaltigkeitskloster von Diwejewo, wo am 1. August der Auffindung der Reliquien des heiligen Seraphim von Sarow gedacht wurde. Ausgerechnet an jenem Ort, an dem der Heilige gebetet habe, sei später der „Schild unseres Vaterlandes geschmiedet“ worden.

Die dort tätigen Wissenschaftler hätten die russische Atombombe geschaffen und damit die Pläne des Feindes vereitelt, „unser Vaterland zu zerstören und zu versklaven“. Durch die Arbeit der Wissenschaftler, Ingenieure und Arbeiter habe sich zweifellos die göttliche Gnade über Russland gezeigt, sagte der Patriarch. Dass dies gerade in Sarow geschehen sei, könne kein Zufall sein.

Die himmlisch-sowjetische Arbeitsteilung ist bemerkenswert: Der Heilige betete, die Bolschewiki schlossen 1927 das Kloster, Stalin ließ dort ab 1946 unter strengster Geheimhaltung die Atombombe entwickeln – und acht Jahrzehnte später fügt Patriarch Kirill alles zu einem göttlichen Gesamtplan zusammen. Aus dem Kloster wurde Arzamas-16, aus Arzamas-16 das russische Atomforschungszentrum und aus der Bombe schließlich ein Gnadenerweis.

Ganz neu ist diese atomare Theologie nicht. Bereits 2023 hatte Kirill erklärt, die sowjetischen Kernwaffen seien unter dem Schutz des heiligen Seraphim und nach einem „unaussprechlichen göttlichen Ratschluss“ geschaffen worden. Ihnen sei zu verdanken, dass Russland unabhängig und frei geblieben sei.

Streng genommen bezeichnete Kirill diesmal nicht die Bombe selbst als Gottes Gnade, sondern ihre Entstehung und abschreckende Wirkung. Der Unterschied dürfte allerdings vor allem Theologen beruhigen. Für alle übrigen bleibt die Botschaft dieselbe: Wenn Russland die Atombombe besitzt, hat offenbar nicht nur der Kreml seine Hand im Spiel.

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