Arbeiten Russlands Journalisten künftig bewaffnet?

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Russische Journalisten in Russland leben gefährlich. Besonders die, die für oppositionelle Medien tätig sind, so scheint es. Als Reaktion auf den jüngsten Vorfall, bei dem eine Radiomoderatorin einer Messerattacke zum Opfer fiel, will eine Zeitung ihre Mitarbeiter künftig mit Waffen ausstatten.

Den Kollegen der Zunft steckt der Schrecken, den der Messerangriff auf die stellvertretende Chefredakteurin von Echo Moskwy, Tatiana Felgengauer, ausgelöst hat, noch in den Knochen. Ein Mann erstürmte am Montag die Redaktionsräume mitten in Moskau und stach auf die kremlkritische Radiomoderatorin ein. Nun will die russische Oppositionszeitung Nowaja Gazeta mit drastischen Mitteln auf diesen Vorfall reagieren.

Wie der Chefredakteur der Zeitung, Dmitri Muratow, am Mittwoch im Sender Echo Moskwy sagte, werde man einige Mitarbeiter in Selbstverteidigungskurse schicken und mit Schusswaffen mit Gummigeschossen ausstatten. Weitere angekündigte Sicherheitsmaßnahmen wollte er an dieser Stelle nicht detailierter ausführen. Man sei zu dieser Maßnahme gezwungen. Angesichts der bisherigen Mordversuche bliebe ihm nichts anderes übrig, sagte Muratow.

„Wenn der Staat nicht bereit ist, uns zu verteidigen, werden wir uns selbst verteidigen“, kommentierte der stellvertretende Chefredakteur Sergej Sokolow das Vorhaben. Was sich markig anhört mag nicht unbegründet sein, denn gerade die Nowaja Gazeta – eine der größten oppositionellen Zeitungen des Landes – im Jahr 2009 vom Spiegel für Journalisten zum gefährlichsten Arbeitsplatz Europas gekürt worden.

Diese zweifelhafte Ehrung scheint mit Hinblick auf die bisher sechs getöteten Mitarbeiter der Zeitung seit ihrer Gründung im Jahr 1993 nicht unbegründet. Der Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja im Jahre 2006 erregte in dieser Attentatsreihe das größte internationale Aufsehen. Die Hintergründe der Tat sind bis heute ungeklärt. Ebenso unklar ist, woher diese permanente Gefahr für oppositionelle russische Journalisten stammt. Es wäre jedoch zu einfach, für jeden politisch motivierten Vorfall den Kreml verantwortlich zu machen.

[mb/russland.NEWS]