Russlands Eurovisions-Beitrag: Blond und stimmgewaltig [Videos aus YouTube]

Russische Siegesschancen in Wien eher bescheiden - Hetzkampagne zu erwarten

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Polina Gagarina heißt die Teilnehmerin für Russland am diesjährigen Eurovisions-Song Contest, der im Mai in Wien stattfinden wird.

Der Beitrag und seine Chancen

Ihre Mainstream-kompatible englischsprachige Popnummer wird trotz Völkerverständigungs-Botschaft wohl keine großen Siegesschancen haben.  Die Russland-feindliche Westpresse hat ihre Tastaturen schon geschärft und wird wohl, wie bereits der Stern („zum kotzen“) zu einer einzigartigen Diss-Orgie auflaufen, die irgendwann im April richtig beginnen dürfte. Ziel dürfte sein „No Points for Russia“. So wird es die begehrten Punkte wohl vor allem aus Ländern geben, in denen nennenswerte russischsprachige Minderheiten leben, wie Lettland, Estland, Israel oder Deutschland. Das Motto „Building Bridges“ wird dabei wohl zur Worthülse mutieren – denn um ihm gerecht zu werden, müsste man ja das Gegenteil tun. Aber im Konfettiregen und Blitzlichtgewitter dieses Wettbewerbs ist ja schon so manches unter gegangen.

Traditionsgemäß hat den russischen Beitrag ein international und hochkarätig besetztes Team produziert, auch bereits mit ESC-Erfahrung. An sich hat der Wettbewerb im Land einen höheren Stellenwert, als beispielsweise in Deutschland oder England. Bereits im letzten Jahr war jedoch inländische Kritik an der russischen Teilnahme aufgekommen, vor allem von nationalistischer Seite, nachdem auch in Folge des Ukrainekonfliktes viele Russland-feindlichen Misstöne hinter den Kulissen zu hören waren.

Die Sängerin und ihr Leben

Polina Gagarina, 28 Jahre alt, ist in Russland bekannt vor allem als Sängerin, aber auch als Model und Schauspielerin. Ihr Lebenslauf liest sich gar nicht so anders, als der von anderen Teilnehmern des monströsen Pop-Wettkampfes. Davor abwechselnd in Moskau, Athen und Saratow an der Wolga wohnhaft gewann sie 2003 eine Casting-Show und hatte in den folgenden Jahren immer wieder russische Top-Ten-Hits, die ihren Weg auch in die Ukrainischen und Lettischen Charts, jedoch bisher nicht in den Westen fanden.  Die Ukraine ist übrigens beim diesjährigen Wettbewerb nicht dabei, so dass es zu diesem musikalischen Vergleich nicht kommen wird. Nach einer gescheiterten Ehe mit einem Schauspieler feierte Gagarina kürzlich Hochzeit mit einem Fotografen und besitzt aus erster Ehe einen achtjährigen Sohn. Die Auswahl für den Wettbewerb läuft in Russland über den staatlichen Ersten Kanal.

Als Zugabe gibt es auf der offiziellen ESC-Seite ein „Backstage“-Video von ihr:

Foto: Okras, Creative Commons