Ausländische Arbeitskräfte und andere Migranten mit längerem Aufenthalt sollen in Russland künftig ein Mobiltelefon mit einem staatlich registrierten digitalen Profil besitzen. Wer kein geeignetes Gerät hat, soll eines kaufen müssen. Entscheidend ist jedoch nicht das Telefon selbst, sondern die damit verbundene Überwachung des Aufenthaltsortes.
Der russische Vizeinnenminister Igor Subow stellte die Pläne am Mittwoch bei einer Sitzung des Ausschusses für internationale Angelegenheiten im Föderationsrat vor. Jeder Migrant, der zur Arbeit oder für längere Zeit nach Russland komme, solle bei seiner Registrierung ein digitales Profil auf einem Mobiltelefon erhalten. Besitze er kein Gerät, müsse er eines erwerben.
Über dieses Telefon wollen die Behörden nach Subows Worten jederzeit feststellen können, wo sich der betreffende Ausländer aufhält. Ein Migrant solle nicht mehr unkontrolliert von einem Ort in einen anderen ziehen oder seinen gemeldeten Aufenthaltsort wechseln können. Einige russische Medien formulierten daraus, er könne überhaupt nicht mehr umziehen. Gemeint ist nach der ausführlicheren Darstellung jedoch offenbar, dass jeder Ortswechsel digital erfasst und den Behörden bekannt gemacht werden muss.
Das System soll nicht nur der Kontrolle dienen. Über das digitale Profil könnten Migranten auch darüber informiert werden, dass Aufenthalts- oder Arbeitspapiere ablaufen oder dass sie bei einer Behörde erscheinen müssen. Nach Darstellung des Innenministeriums soll damit verhindert werden, dass Betroffene Fristen versäumen und später erklären, sie hätten von einer Aufforderung nichts gewusst.
Modellversuch mit der App Amina
In Moskau und dem Moskauer Umland existiert bereits ein Vorläufer des geplanten Systems. Seit dem 1. September 2025 müssen bestimmte Migranten aus visumfreien Staaten die Mobiltelefon-Anwendung Амина benutzen. Darin hinterlegen sie ihren Aufenthaltsort und stimmen der Übermittlung ihrer Geodaten zu.
Bleiben die Angaben zur Geolokalisierung drei Tage lang aus, kann der Betroffene in das russische Register der „kontrollierten Personen“ aufgenommen werden. Damit können erhebliche Einschränkungen verbunden sein, darunter die Sperrung von Bankkarten und letztlich die Abschiebung. Ab dem 1. September 2026 soll der Moskauer Versuch zudem auf Ausländer ausgeweitet werden, die für mindestens drei Monate zu anderen als beruflichen Zwecken nach Russland kommen.
Wann die Regelung im gesamten Land eingeführt werden soll, sagte Subow nicht. Auch Einzelheiten zur technischen Umsetzung, zur Finanzierung der Geräte und zum Umgang mit ausgefallenen, verlorenen oder abgeschalteten Telefonen sind bislang nicht bekannt. Es handelt sich daher zunächst um eine politische Ankündigung des Innenministeriums und noch nicht um eine bereits verabschiedete landesweite Vorschrift.
Die geplante Kaufpflicht ist dabei nur der äußerlich sichtbare Teil. Russland schafft für Migranten schrittweise ein digitales Meldesystem, bei dem das Mobiltelefon zum ständig mitgeführten Aufenthaltsnachweis wird. Wer sich der Ortung entzieht, riskiert nicht nur ein technisches Problem, sondern seinen rechtlichen Status im Land.
Damit wird das Smartphone vom privaten Kommunikationsgerät zum elektronischen Kontrollinstrument. Für russische Staatsbürger bleibt das Handy vorerst freiwilliger Alltagsbegleiter – für Migranten könnte es bald zur staatlich vorgeschriebenen Fußfessel in der Hosentasche werden.

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