Russland will Iran mit integrieren

Foto: Adam Jones CC BY-SA 2.0 via Flickr
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Russland und der Iran wollen künftig intensiver miteinander zusammenarbeiten. Der Staat südlich des Kaspischen Meeres soll künftig mit in die Eurasische Wirtschaftsunion, kurz EAWU, integriert werden. Den Auftakt machen Gedanken über eine Freihandelszone, sowie der Bau einer Eisenbahnstrecke.

Russland und der Iran haben offenbar ihr Interesse aneinander gefunden. Eine Visa-Erleichterung wurde bereits im November letzten Jahres beschlossen. Dies ist ein richtungsweisender Schritt für eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern. Vorerst betrifft die Regelung zwar nur Reisegruppen, der Gedanke jedoch reicht bis hin zu Erleichterungen für Geschäftsleute, Personen, die im Bildungsbereich tätig sind, und am Ende sogar für Touristen. Am 14.November 2016 erklärte Walentina Matwijenko, Vorsitzende des Föderationstats, gegenüber der Agentur ‚TASS‚, dass die Visapflicht schon in absehbarer Zeit ganz abgeschafft werden könnte.

Nun wurde die zweite Runde des integrativen Miteinanders eingeläutet. Anfang der Woche sprach der russische Außenminister Sergej Lawrow vor den Ausschuss-Vorsitzenden der Eurasischen Wirtschaftsunion über die Wichtigkeit einer weiteren Integration innerhalb der Gemeinschaft. „Integrationsprozesse nehmen weltweit zu, vor allem in Bezug auf eine regionale Integration“, wird der Außenminister von ‚TASS‘ zitiert. Schon beim nächsten Besuch des iranischen Präsidenten Hassan Rouhani soll ein entsprechendes Papier fertig zur Unterschrift in Moskau vorliegen. Mit dem iranischen Minister für Kommunikations- und Informationstechnologie, Mahmoud Vaezi, werde zusätzlich ein Freihandelsabkommen zwischen der EAWU und dem Iran entworfen, erklärte der russische Energieminister Alexander Nowak.

„Die Hauptteile des Abkommens sind bereits ausgehandelt“ hofft Nowak auf eine baldige Fertigstellung der entsprechenden Urkunde. Vorerst soll der Freihandel auf die Erleichterung des Handels mit ausgewählten Waren beschränkt sein, künftig jedoch in mehreren Schritten bis zur Vollständigkeit fortgeschritten sein. Die anderen Mitgliedstaaten der EAWU hätten sich über ihre Außenminister bereits auf ein Voranbringen des Prozesses geeinigt. Lawrow spricht in diesem Zusammenhang von einem Bezug auf eine regionale Integration, denn Integrationsprozesse nähmen weltweit zu. Ein weiteres Kapitel der russisch-iranischen Zusammenarbeit wird mit dem Bau einer von Russland finanzierten Eisenbahnstrecke aufgeschlagen.

Durch die Vergabe eines Kredites in Höhe von einer Milliarde Euro, so Nowak, beteiligt sich Russland an einer Eisenbahnverbindung zwischen dem nordiranischen Garmsar, unweit der Hauptstadt Teheran, und der türkischen Provinz Sinop am Schwarzen Meer. Das iranische Teilstück der Bahnlinie, an der sich Russland beteiligt, wird insgesamt rund 500 Kilometer betragen. Neben der eigentlichen Konstruktion soll der vorerst auf fünf Jahre festgeschriebene Kredit ebenso die Elektrifizierung mit einschließen, wie die Nachrichtenagentur ‚TASS‚ berichtete. Mit rund 95 Tunnel sollen demnach die Regionen im nordwest-iranischen Bergland für die Eisenbahnlinie erschlossen werden. Insgesamt sind 32 Haltebahnhöfe geplant.

Diese Bahnstrecke wäre die Erweiterung der aus Turkmenien kommenden und den Iran nach Süden durchquerenden ‚Transiranischen Eisenbahn‚ über den bisherigen Teilabschnitt Täbris hinaus, in den Norden der Türkei. Somit wäre dies vom Knotenpunkt Garmsar aus das noch fehlende Teilstück einer Bahnverbindung Kaspisches Meer – Perischer Golf – Schwarzes Meer. Drei Jahre sind vorerst eingeplant, um das geplante Projekt umzusetzen.

[mb/russland.RU]

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.