Russland will eigenes Starlink – und warnt vor dem westlichen Vorbild

Russlands Sicherheitsrat drängt auf einen schnelleren Ausbau des heimischen Satellitennetzes Rasswet. Westliche Dienste wie Starlink und OneWeb bezeichnet er als Gefahr für die Souveränität anderer Staaten. Zugleich liegt Russland beim Aufbau seiner Alternative weit zurück.

Bei einer Sitzung des wissenschaftlichen Expertenrats am 6. November stand die Sicherheit satellitengestützter Kommunikation im Mittelpunkt. Nach Angaben des Apparats des Sicherheitsrats könnten westliche Netze zur Destabilisierung der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in souveränen Staaten eingesetzt werden. Unter dem Verweis auf bequeme Kommunikationsmöglichkeiten erschlössen die Betreiber internationale Märkte und gewännen dabei Einfluss auf die Bevölkerung anderer Länder, berichtete Kommersant über die Argumentation des Gremiums.

Als Antwort empfahlen die Teilnehmer, die Produktion russischer Satelliten zu beschleunigen. Die zuständigen Ministerien sollen Maßnahmen für den internationalen Ausbau eigener Kommunikationssysteme vorbereiten. Der von der Moscow Times veröffentlichte Reuters-Bericht nennt ausdrücklich das Projekt Rasswet und die Forderung, auch die Serienfertigung der benötigten Empfangsterminals rasch auszuweiten.

Wie groß der Rückstand ist, verdeutlichen die dort genannten Zahlen: Digitalminister Maksut Schadajew hatte Präsident Wladimir Putin im Oktober von etwas mehr als 30 gestarteten Rasswet-Satelliten berichtet. Starlink verfügt demnach über mehr als 10.000 aktive Satelliten. Eine beschleunigte Produktion wäre somit erst der Anfang eines erheblichen Ausbaus.

Die Warnung vor politischer Einflussnahme knüpft an frühere Äußerungen des Außenministeriums an. Vizeaußenminister Sergej Werschinin hatte im September die Proteste im Iran 2022 und in Venezuela 2024 als Beispiele angeführt. Mindestens zehn weitere Länder seien ähnlicher Einflussnahme ausgesetzt gewesen. Russische Entwickler hielten sich dagegen an die UN-Charta und das Prinzip der Nichteinmischung, erklärte er. Konkrete Belege für die behaupteten Destabilisierungswirkungen werden im Kommersant-Bericht nicht dargestellt.

Hinzu kommt die militärische Bedeutung der Technik. Ukrainische Streitkräfte nutzen Starlink für Kommunikation und Drohneneinsätze. Nach ukrainischen Angaben setzt inzwischen auch Russland Rasswet für militärische Kommunikation in der Ukraine ein. Der Bericht liefert dafür keine unabhängige Bestätigung.

Innerhalb der russischen Führung fallen die öffentlichen Akzente unterschiedlich aus: Putin lobte Musk vor wenigen Tagen für die Entwicklung von Starlink als Genie. Sicherheitsratsvize Dmitri Medwedew kritisierte ihn dagegen am Freitag wegen der Nutzung durch die Ukraine. Moskau verbindet damit technische Anerkennung mit sicherheitspolitischer Abgrenzung – und dem Druck, eine eigene Alternative aufzubauen.

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