Russland und China prüfen eine dauerhafte Abschaffung der Visumpflicht für Reisen zwischen beiden Ländern. Gespräche über eine unbefristete Regelung seien bereits im Gang, erklärte der stellvertretende russische Außenminister Andrej Rudenko.
„Mit der Volksrepublik China werden die Perspektiven einer dauerhaften Verankerung visumfreier Reisen erörtert“, sagte Rudenko in einem Interview mit dem Portal zur Entwicklung der Arktis und des Fernen Ostens. Die Erleichterung gegenseitiger Reisen gehöre zu den Prioritäten der russischen Außenpolitik, insbesondere gegenüber den asiatischen Staaten.
Derzeit dürfen russische Staatsbürger für bis zu 30 Tage ohne Visum nach China reisen. Die Regelung gilt für touristische und geschäftliche Aufenthalte, den Besuch von Verwandten, Austauschprogramme sowie Transitreisen.
China hatte den visumfreien Aufenthalt für russische Bürger im September 2025 zunächst probeweise eingeführt. Russland reagierte im Dezember mit einer entsprechenden Regelung für chinesische Staatsbürger. Inzwischen wurde der gegenseitige visumfreie Reiseverkehr bis Ende 2027 verlängert. Die nun begonnenen Gespräche sollen daraus eine unbefristete Vereinbarung machen.
Nach Angaben Rudenkos hat die Lockerung der Einreisebestimmungen den Reiseverkehr zwischen beiden Ländern bereits deutlich belebt. Im Jahr 2025 wurden mehr als drei Millionen gegenseitige Reisen gezählt. Das waren 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Im ersten Quartal 2026 nahm die Zahl der Touristenreisen im Jahresvergleich sogar um 50 Prozent zu.
Russland setzt dabei besonders auf Besucher aus China. Bis 2030 soll deren Zahl auf jährlich 5,5 Millionen steigen. Rund 1,8 Millionen chinesische Touristen sollen nach den Moskauer Planungen in den russischen Fernen Osten reisen. Schon heute entfallen dort etwa drei Viertel des ausländischen Besucherverkehrs auf Reisende aus China.
Die Gespräche über einen dauerhaften Visumverzicht sind damit nicht nur ein weiteres politisches Zeichen der engeren Beziehungen zwischen Moskau und Peking. Sie haben auch eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Vor allem die Regionen des Fernen Ostens hoffen auf zusätzliche Einnahmen für Hotels, Gastronomie, Verkehrsbetriebe und den Einzelhandel.
Rudenko zufolge bemüht sich Russland zugleich um Reiseerleichterungen mit weiteren asiatischen Staaten. Mit Indonesien und Malaysia werde über entsprechende zwischenstaatliche Vereinbarungen verhandelt. Mit Vietnam soll zudem ein System visumfreier Gruppenreisen gestartet werden.
Eine fertige russisch-chinesische Vereinbarung liegt allerdings noch nicht vor. Der angekündigte „unbefristete Visumverzicht“ ist daher zunächst ein Verhandlungsziel. Sollte er umgesetzt werden, würde aus dem gegenwärtigen Probelauf jedoch eine dauerhafte Reisefreiheit zwischen Russland und seinem wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Partner in Asien.

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