Russland schränkt bei öffentlichen Aufträgen den Zugang für ausländische Medizinprodukte ein

Für 2015 werden Umsatzeinbrüche prognostiziert / Belebung des Marktes fürMedizintechnik frühestens 2017

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[Von Ullrich Umann Moskau-gtai] – Für deutsche Hersteller von Medizintechnik und Medizinprodukten hat sich der russische Markt seit 5. Februar 2015 ein Stück weit verschlossen. Dies ist der Fall, wenn es sich um Beschaffungsmaßnahmen öffentlicher Gesundheitseinrichtungen handelt und die entsprechende Warenart im Regierungsbeschluss Nr. 102 vom 5.2.2015 ausdrücklich aufgeführt ist. Für 2015 wird ein Rückgang des Absatzes am Markt für Medizintechnik um bis zu 10% prognostiziert.

Künftig dürfen öffentliche (staatliche und kommunale) Gesundheitseinrichtungen bestimmte Güter nur noch von Herstellern beziehen, die sich innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion – Russland, Belarus, Kasachstan, Armenien und Kirgisistan (ab Mai 2015) – befinden. Zu den Gütern mit Einfuhrbeschränkungen gehören Computertomographen mit einer Schichtzahl von 1 bis 64, Röntgentechnik, Elektrokardiographen, Hörgeräte (außer Implantate), Nadeln, Spritzen, einige Arten von mikrochirurgischem Besteck, Labor- und Medikamentenkühlschränke sowie gefrierschränke, Reagenzien, Nährlösungen, desinfizierende Servietten, Tücher zum Schutz des Patienten und der Mitarbeiter, Bekleidung für medizinische Zwecke und Berufe, sowie weitere Medizinprodukte.

Ausnahmen von der Einfuhrbeschränkung können erteilt werden, wenn bei einer Ausschreibung weniger als zwei konkurrierende Angebote von unterschiedlichen Herstellern aus der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) eingehen. Wie versichert wurde, enthält der Regierungsbeschluss nur Nomenklaturen, für die es jeweils mindestens zwei unterschiedliche Hersteller innerhalb der EAWU gibt und deren Erzeugnisse dem zwischenstaatlichen Standard GOST ISO 13485-2011 entsprechen.

Ziel dieses Beschlusses soll es sein, Herstellern von Medizintechnik und medizinischem  Verbrauchsmaterial aus der EAWU durch den weitgehenden Ausschluss ausländischer Wettbewerber bei öffentlichen Ausschreibungen eine gesicherte Entwicklungsperspektive und mehr Planungssicherheit zu bieten. Möglich ist diese Regelung, da Russland ein WTOZusatzprotokoll, das den freien Zugang für ausländische Unternehmen zu öffentlichen Ausschreibungen regelt, nicht unterzeichnet hat.

Markt für Medizintechnik wird 2015 schrumpfen

Im laufenden Jahr 2015 werden die öffentlichen Gesundheitsbudgets nicht steigen und teilweise sogar durch Gehaltserhöhungen im Gesundheitssektor aufgezehrt. Meditex geht von Volumenrückgängen auf dem Gesamtmarkt (öffentlich und privat) zwischen 7 bis 10% im Vergleich zu 2014 aus.

Im Jahr 2014 lag das Volumen des russischen Marktes für medizinische Ausrüstungen und Produkte bei 199,6 Mrd. Rubel und damit fast punktgenau auf Vorjahresniveau (200,9 Mrd. Rubel).  Zu dieser Einschätzung gelangte das Wissenschafts- und Technikzentrum Meditex. Auf staatliche Beschaffungen entfielen 2014 Umsätze von 156,4 Mrd. Rubel – das entspricht einem Anteil am Gesamtmarkt von 78,4%. Im Vorjahr lag der Vergleichswert bei 154,9 Mrd. Rubel.

Der Markt für Medizintechnik war 2013 im Wert um 18% gegenüber dem Vorjahr eingebrochen – infolge des 2012 ausgelaufenen staatlichen Investitionsprogramms „Sdorowje“. Damit hatten die Boomjahre mit Zuwächsen von bis zu 27% ein jähes Ende gefunden. Im Jahr 2014 wurde dieser Rückgang etwas ausgeglichen, weil sich die Beschaffungstätigkeit des privaten Gesundheitssektors ein wenig belebte.

Belebung des Medizintechnikmarktes frühestens 2017

Ein größerer Austauschbedarf bei vorhandener Medizintechnik wird bis 2017/18 aufgeschoben. Erst dann dürfte wieder mit größerer Beschaffungsaktivität zu rechnen sein.

Regierungsbeschluss (Originaldokument):

Regierungsbeschluss Nr. 102 vom 5.2.2015:

http://government.ru/docs/16776/

http://government.ru/media/files/JK1Ao3CQt28.pdf

Hinweis: Die Klassifizierung der im Anhang genannten Medizinprodukte erfolgt nach dem „russischen Güterklassifikator der Wirtschaftszweige“, der sich wiederum im Aufbau an der „Statistischen Güterklassifikation in Verbindung mit den Wirtschaftszweigen in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft“ orientiert.