Russland meldet weniger Waldbrandfläche und ordnet die Risiken neu

Russland meldet weniger Waldbrandfläche und ordnet die Risiken neu

Russland hat in der ersten Jahreshälfte 2026 insgesamt weniger Brände registriert als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig erreichte die Zahl der Naturkatastrophen den höchsten Stand seit fünf Jahren. Kurz vor Beginn der besonders gefährlichen zweiten Hälfte der Waldbrandsaison führte das Umweltministerium zudem eine neue, regional und saisonal differenzierte Bewertung der Brandgefahr ein.

Nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums wurden von Januar bis Juni landesweit rund 146.500 Brände gezählt. Das waren 15,5 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025. Die Statistik umfasst allerdings nicht nur Waldbrände, sondern offenbar sämtliche vom Ministerium erfassten Brandereignisse.

Die Zahl der Todesopfer ging trotz der geringeren Brandzahl nicht zurück. In den ersten sechs Monaten kamen rund 3.700 Menschen durch Feuer ums Leben, nach 3.600 im Vorjahreszeitraum. Etwa 4.200 Menschen wurden verletzt, 200 mehr als ein Jahr zuvor.

Für die Lage in den Wäldern nennt die russische Forstbehörde Rosleschos eine deutlich kleinere betroffene Fläche. Während der Frühjahrssaison sei das Feuer über rund 1,15 Millionen Hektar Wald hinweggezogen. Im Vorjahr waren es noch 3,2 Millionen Hektar gewesen.

Die Behörde führt den Rückgang darauf zurück, dass Brände früher entdeckt und schneller bekämpft worden seien. Die durchschnittliche Größe eines Feuers zum Zeitpunkt seiner Entdeckung sank demnach von 10,2 auf 5,5 Hektar. Bei den von den Einsatzkräften bearbeiteten Waldbränden verringerte sich die durchschnittliche Fläche von 1.245 auf 510 Hektar.

Experten verweisen allerdings darauf, dass auch das Wetter geholfen habe. In einigen Regionen blieb die Schneedecke bis in den Mai hinein bestehen. Zudem erfassen die Halbjahreszahlen den Juli noch nicht – jenen Monat, der sich inzwischen als der wärmste in Russland seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1891 erwiesen hat. Besonders hohe Temperaturabweichungen wurden im Ural und in Sibirien gemessen.

Seit dem 27. Juli gilt deshalb ein neuer Klassifikator des Umweltministeriums. Er teilt die Waldbrandgefahr weiterhin in fünf Stufen von niedrig bis sehr hoch ein, berücksichtigt nun aber die Besonderheiten von 42 verschiedenen Waldregionen. In die Bewertung fließen unter anderem Waldtyp, Gelände, Bodenfeuchtigkeit, Klima und Jahreszeit ein.

Damit soll berücksichtigt werden, dass die höchste Brandgefahr nicht überall gleichzeitig besteht. In der südlichen Taiga liegt der Schwerpunkt beispielsweise im Frühjahr, in moosreichen Wäldern eher im Sommer. Gebiete mit jungen Nadelbäumen, Windbruch oder steilen Hängen können höher eingestuft werden, weil sich dort Bodenfeuer leichter zu Kronenfeuern entwickeln.

Das Umweltministerium erhofft sich davon präzisere Vorhersagen und einen gezielteren Einsatz der verfügbaren Mittel. In Zeiten geringerer Gefahr könne der Aufwand für die Waldüberwachung reduziert werden. Kritiker warnen allerdings davor, vermeintlich schwer entflammbare, feuchte oder sumpfige Wälder zu niedrig einzustufen. Bei extremer Hitze und längerer Trockenheit könnten auch diese Gebiete ein sehr hohes Brandrisiko entwickeln.

Die insgesamt günstigere Waldbrandbilanz steht zudem neben einer anderen, weniger beruhigenden Zahl: Im ersten Halbjahr registrierte das Katastrophenschutzministerium so viele natürliche Notlagen – darunter Waldbrände, Hochwasser und extreme Wetterereignisse – wie seit 2021 nicht mehr. Rund 845.000 Menschen waren davon betroffen, sechsmal so viele wie im Vorjahr. Weniger verbrannte Waldfläche bedeutet daher noch keine Entspannung bei den Folgen zunehmender Wetterextreme.

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