Russland löscht in Chile (Mit Video-Classic)

Foto: TV-Screenshot

Seit über einer Woche wüten verheerende Flächenbrände in dem Andenstaat in Südamerika. Es ist die größte Brandkatastrophe, die das Land zu bekämpfen hatte. Nun hat die chilenische Regierung den russischen Katastrophenschutz um Hilfe gebeten.

Elf Menschen kamen bislang ums Leben, mehrere Dörfer wurden komplett zerstört. „Wir haben noch nie etwas von solch einem Ausmaß gesehen, noch nie in der Geschichte Chiles“, sagte Michelle Bachelet, die Präsidentin des Landes, am Sonntag gegenüber der Presse, obwohl Lauffeuer in heißen Sommern nicht ungewöhnlich sind. Über 3.900 Quadratkilometer Fläche, größer als die Insel Mallorca, stehen im Süden und dem Zentrum Chiles laut den Behörden mittlerweile in Flammen. „Wir kämpfen pausenlos gegen das Feuer“, sagt eine verzweifelte Präsidentin, der gerade ganze Dörfer und Ortschaften, ja sogar Städte zum Raub der Flammen werden. Schon längst ist der Ausnahmezustand verhängt worden.

Fast 380.000 Hektar Land fielen nach Angaben des Forstverbands den Flammen bisher zum Opfer. Wie die Behörden mitteilten, zerstörten die Brände inzwischen nahezu 1100 Häuser. 11 Menschen, darunter offenbar auch sechs Hilfskräfte, mussten bei der verheerenden Katastrophe ihr Leben lassen. Unzählige flüchten vor der Feuersbrunst oder wurden evakuiert. Tausende sind obdachlos. Bis zu 150 Feuerherde des von den Flammen betroffenen Wald- und Agrarlands hätte die nationale Forstbehörde CONAF ausgemacht, heißt es. Starker Wind habe die Fläche in den vergangenen Tagen verdoppelt. Die Rauchwolken des Großfeuers seien sogar noch in der Hauptstadt Santiago de Chile zu sehen, berichten Augenzeugen.

Die örtlichen Behörden gehen davon aus, dass es sich um einen schweren Fall von Brandstiftung handeln könne. Dies bestätigte auch Michelle Bachelet: „Der Großteil der Brände hat einen menschlichen Ursprung, bei einigen kann Fahrlässigkeit, bei anderen Brandstiftung im Spiel sein“. Rund 40 Personen seien bislang laut dem Innenministerium wegen Verdachts der Mitverantwortung für die Feuerkatastrophe festgenommen worden. Viele von ihnen befänden sich allerdings bereits wieder auf freiem Fuß, heißt es weiter. Auf sozialen Netzwerken veröffentlichte CONAF ein Foto auf dem Zündgut zu sehen ist, das vermutlich mittels eines kleinen selbst gebastelten Fallschirms vom Wind fortgetragen worden sei.

Russlands fliegende Feuerwehr

Obwohl bereits 62 Brände eingedämmt werden konnten, gleicht die Arbeit der Feuerwehrmannschaften einem Kampf gegen Windmühlen. Temperaturen von über 35 Grad Celsius und starker Wind erschweren die Löscharbeiten. Etwa 5.000 chilenische Feuerwehrleute und Helfer aus dem Ausland sind laut der Forstbehörde fortwährend im Einsatz. Nun wandte sich die chilenische Regierung mit der Bitte um Hilfe an das russische Ministerium für Katastrophenschutz, das seinerseits prompt reagierte und seine Unterstützung zusagte. Am Montag ist nun die russische „Superwaffe“ zur Brandbekämpfung, die Iljuschin Il-76 samt Besatzung, im Krisengebiet eingetroffen und nahm unverzüglich die Löscharbeiten aus der Luft auf.

„Das Flugzeug des Typs Il-76 kam am 30. Januar nach einem transkontinentalen Flug von Moskau aus in Santiago an und verließ fast unmittelbar danach wieder den Flughaufen, um die Flammen zu bekämpfen“, teilte das russische Ministerium für Katastrophenschutz gegenüber den Medien mit. Bewährt hat sich dieser Typ der Iljuschin bereits bei den jährlichen Torfbränden in Russland, sowie im August letzten Jahres in Portugal, wo sich eine ähnliche Flammenkatastrophe ereignet hatte und Russland ebenfalls um Hilfe gebeten wurde.

Zunächst werde das Flugzeug mit seiner Mannschaft im Gebiet von Bio Bio im Zentrum des Landes eingesetzt, da beim Übergriff der Flammen auf die kleine Stadt Portezuelo die rund 5.500 Einwohnern auf das Höchste gefährdet wären. „Das Il-76-Flugzeug befindet sich derzeit auf einer Mission in der Umgebung der Stadt. Das vorrangige Ziel ist es, diese vor den Flammen zu schützen und vor einem Übergreifen der Brände zu bewahren“, bestätigte das russische Katastrophenschutz-Ministerium. Pro Flug kann die Iljuschin Il-76 bis zu 42.000 Liter Wasser aus ihrem Tank abwerfen.

[mb/russland.RU]

2010 brannten die Wälder in Russland nach wochenlangen heißen Temperaturen. Moskau lag unter Smog.
Die deutschen Medien berichteten ihre eigene Anschauung über die Feuer. Ein russland.TV-Classic von 2010.

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.