Russland bündelt genetische Ressourcen in nationaler Datenbank

Russland bündelt genetische Ressourcen in nationaler Datenbank

Russland will die im Land vorhandenen Informationen über genetische Ressourcen in einer gemeinsamen nationalen Datenbank zusammenführen. Erfasst werden sollen Daten über Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen, erklärte Präsident Wladimir Putin bei einer Sitzung des Rates für Wissenschaft und Bildung.

Nach bisherigen Schätzungen soll die Datenbank jährlich um rund zehn Petabyte wachsen. Putin verglich diese Datenmenge mit etwa fünf Billionen gedruckten Textseiten. Die beteiligten biologischen Sammlungen russischer Forschungsinstitute bezeichnete er als einzigartig.

Die geplante Datenbank soll Forschungseinrichtungen und Hochschulen, aber auch Hochtechnologieunternehmen und Industriebetrieben zur Verfügung stehen. Dazu sollen die wissenschaftlichen Datenbestände mit Rechenzentren, Supercomputern und russischen Cloud-Systemen verbunden werden. Ziel sei eine gemeinsame digitale Infrastruktur für die wissenschaftliche und technologische Entwicklung des Landes.

Die gesammelten Informationen sollen insbesondere für Forschungen in den Bereichen Genetik, Bioökonomie, Pharmazie und Ernährungssicherheit genutzt werden. Putin forderte zugleich eine stärkere finanzielle und organisatorische Unterstützung der nationalen Zentren für genetische Ressourcen.

Trotz der angestrebten zentralen Infrastruktur dürfe kein übermäßiges Monopol auf die Daten entstehen, betonte der Präsident. Wissenschaftler müssten weiterhin Zugang zu den vorhandenen Materialien erhalten und Kontakte zu Kollegen im Ausland pflegen können. Gleichzeitig sollen die Systeme gegen Datenverlust und unbefugten Zugriff geschützt werden.

Die Idee einer nationalen Datenbank für genetische Informationen ist nicht neu. Bereits 2020 hatte Putin die Regierung und das Kurtschatow-Institut mit dem Aufbau eines entsprechenden Systems beauftragt. Damals standen einheitliche Standards für die Speicherung, Übertragung und Auswertung genetischer Daten im Mittelpunkt. Mit der nun verkündeten Entscheidung soll offenbar die Zusammenführung der bislang auf verschiedene Einrichtungen verteilten Bestände konkret umgesetzt werden.

Nicht gemeint ist nach den bisherigen Angaben eine allgemeine Sammlung menschlicher Genomdaten. Die aktuelle Ankündigung bezieht sich ausdrücklich auf genetische Ressourcen von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen. Für genetische Daten russischer Bürger gelten gesonderte Vorschriften: Ihre Weitergabe ins Ausland und an ausländische Empfänger wird ab September 2026 grundsätzlich eingeschränkt; Ausnahmen sind unter anderem für medizinische Behandlungen, die Entwicklung von Arzneimitteln und gesetzlich zugelassene internationale Kooperationen vorgesehen.

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