Nach Angriffen auf drei Rechenzentren kämpft Yandex mit Ausfällen und eingeschränkten Funktionen. Betroffen sind Zahlungsdienste, Taxifahrten, Lieferungen und Unternehmen, die die Cloud-Infrastruktur des Konzerns nutzen. Während Dienste schrittweise zurückkehren, könnte die Beschaffung von Ersatztechnik Monate dauern.
Die Angriffe auf Rechenzentren von Yandex haben Folgen weit über den russischen Internetkonzern hinaus. Wer ein Taxi bestellen, eine Lieferung bezahlen oder auf gespeicherte Dateien zugreifen wollte, stieß in den vergangenen Tagen auf Störungen. Auch Unternehmen, deren Anwendungen auf Yandex-Infrastruktur laufen, waren betroffen. Die Berichte zeigen, wie eng digitale Dienstleistungen und alltägliche Wirtschaftsabläufe miteinander verbunden sind.
Zwischen dem 8. und 11. Oktober wurden Anlagen in Sasowo in der Region Rjasan, in Kaluga und bei Wladimir angegriffen. Nach den von der Moscow Times wiedergegebenen Unternehmensangaben mussten die Standorte Sasowo und Wladimir ihren Betrieb vollständig einstellen; in Kaluga fielen mehrere Module aus. Die ukrainische Führung bezeichnete die Angriffe als Reaktion auf russische Schläge gegen Rechenzentren in der Ukraine.
Medien sprechen von drei betroffenen unter sechs großen beziehungsweise bekannten Yandex-Rechenzentren. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass genau die Hälfte der gesamten Rechenleistung ausgefallen ist. Die Standorte können sich hinsichtlich Größe und Aufgaben unterscheiden; eine belastbare Gesamtbilanz der verlorenen Kapazitäten liegt in den ausgewerteten Berichten nicht vor.
Die Auswirkungen reichen von eingeschränkter Bequemlichkeit bis zu unmittelbaren Arbeitsproblemen. The Bell berichtet, dass Taxifahrer, Kuriere und Supportmitarbeiter zeitweise keinen Zugang zu ihren Arbeitsanwendungen hatten. Kunden konnten Fahrten oder Lieferungen nicht bestellen. Auch E-Mail, der Zahlungsdienst Yandex Pay sowie die Sprachassistenz Alice und verbundene Smart-Home-Funktionen waren von Störungen betroffen.
Hinzu kamen Probleme bei fremden Diensten, darunter Handelsunternehmen, Restaurants und Mobilitätsanbieter. The Bell unterscheidet dabei zwischen Unternehmen, die auf Yandex-Infrastruktur angewiesen sind, und Diensten, die unter einer allgemein verschlechterten Netzverbindung litten. Nicht jede zeitgleich gemeldete Störung lässt sich deshalb eindeutig auf einen bestimmten beschädigten Server zurückführen. Der Ausfall einer Website bedeutet zudem nicht zwangsläufig den Stillstand des gesamten Unternehmens: Beim Flughafen Pulkowo etwa war die Internetseite betroffen, während der Flughafen weiterarbeitete.
Yandex versucht, die verbleibenden Ressourcen auf besonders wichtige Anwendungen zu konzentrieren. Nach Meduzas Überblick wurden Downloads aus dem Cloudspeicher Yandex Disk eingeschränkt, um andere Dienste funktionsfähig zu halten. Kundendaten und Anwendungen sollen zudem zu den Anbietern VK Cloud, Selectel und K2Cloud verlagert werden. Taxifahrern empfahl Yandex vorübergehend Google Maps oder Waze als Navigationsalternativen.
Die Folgen blieben nicht auf Russland beschränkt. Die Moscow Times berichtet über Schwierigkeiten bei der Nutzung von Yandex-Anwendungen in Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan und Armenien. Besonders empfindlich waren Störungen bei Yandex Pay. Das Unternehmen versicherte, die Kundengelder seien sicher, konnte aber zunächst keinen genauen Wiederherstellungstermin nennen. Ein unterbrochener Zugriff auf Guthaben ist damit nicht gleichbedeutend mit dessen Verlust.
Für die Dauer der Krise müssen zwei Vorgänge auseinandergehalten werden: die Wiederherstellung einzelner Dienste und der Ersatz beschädigter Technik. Nach Angaben von IT-Marktquellen gegenüber Kommersant, die Meduza wiedergibt, könnten Ersatzlieferungen bis zu sechs Monate beanspruchen. Das bedeutet nicht, dass sämtliche betroffenen Anwendungen so lange ausfallen. Umverteilung und zusätzliche Kapazitäten können einen eingeschränkten Betrieb früher ermöglichen.
Der Wiederaufbau könnte dennoch teuer werden. Branchenvertreter verweisen auf die hohe weltweite Nachfrage nach Rechenleistung und insbesondere nach KI-Beschleunigern. Sie erwarten, dass zusätzliche Kosten auch Cloud-Dienstleistungen verteuern könnten. Konkrete Preissteigerungen lassen sich daraus bislang nicht beziffern.
Parallel arbeitet das russische Digitalministerium nach Angaben von Minister Maksut Schadajew gemeinsam mit dem Verteidigungsministerium an Schutzmaßnahmen für Rechenzentren. Einzelheiten wurden zunächst nicht genannt.
Die Angriffe legen damit eine wirtschaftliche Verwundbarkeit offen: Wenn viele Unternehmen und Alltagsdienste dieselbe technische Infrastruktur nutzen, können sich lokale Schäden über zahlreiche Branchen verbreiten. Für Yandex geht es nun zugleich um die Rückkehr zum regulären Betrieb und um die Frage, wie zuverlässig die Dienste bei weiteren Ausfällen bleiben.

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