Russischer Waschbär klagt wegen sexuellem Missbrauch

Foto: Huskyherz CC0 Public Domain via Pixabay (aus Gründen des Opferschutzes wurde ein Beispielbild verwendet)

[von Michael Barth] – Zugegeben, ein bisschen geschwindelt haben wir schon bei der Überschrift. Denn natürlich klagt nicht der Waschbär persönlich, sondern seine Betreuer. Nicht geschwindelt jedoch ist, dass dem armen Vieh Fürchterliches widerfahren sein muss.

Es hätte ein schöner, ein ganz normaler Ausflug werden sollen, als der Waschbär aus einem Moskauer Streichelzoo an eine Werbeagentur für ein Foto-Shooting in treue Hände gegeben wurde. Job ist Job dachte sich der kleine Racker, schließlich ist er den Umgang mit Menschen gewöhnt. Seit seiner Geburt war es seine Bestimmung, klaglos sämtliche Kinderhände über sich ergehen zu lassen und dabei ein putziges Gesicht zu machen. Mit dieser unbeschwerten Herrlichkeit ist es nun erst einmal vorbei.

Traumatisiert sei er bei seiner Rückkehr in sein Zuhause gewesen, völlig verstört. Die Betreuer, die den kleinen Kerl unter ihre Fittiche nahmen waren irritiert und ahnten Fürchterliches. Die Werbeagentur ‚Art-Msk‚ hatte sich das Tier ausgeliehen, um mit ihm einen Werbespot für Decken und Handtücher zu drehen. Das haben sie zumindest behauptet. Derart von der Rolle und verstört wie das Tier wieder zurück kam, quasi am Boden zerstört, muss etwas anderes vorgefallen sein. Wie sich hinterher herausstellte waren es erotische Aufnahmen, die in dem Studio gemacht wurden.

Die Schöne und das Biest

Natürlich, was auch sonst, kursierten die Aufnahmen zu allererst im Internet. Auch ein Model sah man da. Bis auf ein dezentes Höschen splitterfasernackt. Ja, das muss unserem armen Waschbären dann endgültig den Rest gegeben haben, obwohl in der Eigenwerbung des Zoos eindeutig zu lesen ist, dass die in menschlicher Wärme aufgewachsenen Tiere schon immer von Liebkosung umgeben waren und sie deshalb so gerne den Kontakt zu Menschen suchten. Nun fordert der Streichelzoo jedoch Schadensersatz für den entstandenen ‚moralischen Schaden‘, der dem Waschbär bei dem Shooting zugefügt worden war.

Schließlich hätte der ‚Kontaktzoo‘ das Tier nicht als Spielzeug in die Hände der Werbeagentur gegeben, heißt es in dem Schreiben. Nicht einmal Bescheid gesagt, hätten sie von ‚Art Msk‘ , dass ihr Schützling eine nackte Partnerin an seiner Seite haben sollte. Eine weitere Klage richtet sich gegen eine derartige Vermarktung im Allgemeinen. Damit will der Zoo durchsetzen, dass erotische Bilder mit Zootieren verboten werden, da sie das ‚Recht der Tiere auf Leben und artgerechte Haltung‘ verletzen würden. Unterstützung bekommen sie von Tierschützern, die in der Vermarktung von Tieren zu Werbezwecken einen generellen Verstoß sehen.

Die Verbindung von Tieren mit erotischen Bildern würden den Umgang der Menschen mit den Tieren nachhaltig beeinflussen und Wildtiere mit ‚Erotik‘ assoziieren, heißt es. Das Kreisgericht Nikulinski hat nun wegen der ‚Waschbärenaffäre‘ alle Hände voll zu tun. Bei ‚Art-Msk‘ kann man das Problem des Streichelzoos jedoch nicht so richtig nachvollziehen. Süffisant erklärte man, es sei nach einem zahmes Tier angefragt worden. Stattdessen hätte man eine wilde, ungezähmte Bestie erhalten, die dem Modell sofort an die Wäsche gegangen sei.

Es sei also vielmehr die Schuld des Waschbären, dass das Mädchen nackt zu sehen ist, da er den Büstenhalter gestohlen habe und das Corpus Delicti einfach aufgefressen hätte. Die sexuelle Enthemmtheit sei in einem Video deutlich zu sehen. Die Empörung des Zoos sei daher absurd. Absurd findet es der Tierschutz, dass überhaupt Tiere in Streichelzoos gehalten werden dürfen, da der andauernde Kontakt mit Menschen für die Tiere ohnehin nur unnötigen Stress bedeute. Wie die Posse um den traumatisierten Waschbären nun weitergeht, ist über den Leiter des Presseamtes des Zoos, Viktor Kirjuchina, in Erfahrung zu bringen.

[Michael Barth/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.