Russische Gerichtsvollzieher treiben mehr Unterhalt ein

Russische Gerichtsvollzieher treiben mehr Unterhalt ein

Russlands Gerichtsvollzieher haben im ersten Halbjahr 2026 Unterhaltsschulden in Höhe von 53,3 Milliarden Rubel eingetrieben. Das waren 7,8 Milliarden Rubel oder 17 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Die höheren Einnahmen bedeuten allerdings nicht, dass die Zahl der säumigen Unterhaltspflichtigen zurückgegangen ist. Im öffentlichen Schuldnerregister stehen weiterhin rund 300.000 Menschen – annähernd ebenso viele wie zu Jahresbeginn. 82,5 Prozent von ihnen sind Männer, 17,5 Prozent Frauen. An dieser Verteilung hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum etwas verändert.

Gesunken ist dagegen die Zahl der eingeleiteten Strafverfahren. Wegen der Nichtzahlung von Kindesunterhalt wurden von Januar bis Juni 27.400 Verfahren eröffnet. Im ersten Halbjahr 2025 waren es noch 28.600 gewesen. Die Zahl der registrierten Ordnungswidrigkeiten sank um 3.500 auf etwa 50.000.

Das öffentliche Register für Unterhaltsschuldner besteht seit Mai 2025. Aufgenommen werden Personen, die wegen ausbleibender Zahlungen verwaltungs- oder strafrechtlich belangt wurden oder nach denen gefahndet wird. Die Behörden haben ihre Druckmittel in den vergangenen Jahren schrittweise erweitert. Neben dem Zugriff auf Einkommen und Bankkonten können sie auch Vermögen beschlagnahmen und Auslandsreisen untersagen.

Als besonders wirksam gilt die Möglichkeit, Schuldnern vorübergehend das Autofahren zu verbieten. Die Maßnahme kann bereits ab einem Unterhaltsrückstand von 10.000 Rubel greifen – derzeit umgerechnet rund 110 Euro. Derselbe Schwellenwert kann für ein Ausreiseverbot maßgeblich sein.

Nach Einschätzung russischer Juristen wirken solche Einschränkungen häufig schneller als die bloße Pfändung eines Kontos. Wer fürchtet, seinen Wagen nicht mehr benutzen oder eine berufliche Auslandsreise nicht antreten zu können, beschaffe das geschuldete Geld oftmals kurzfristig.

Die Statistik zeigt damit zwei gegenläufige Entwicklungen: Der Staat treibt die bestehenden Schulden erfolgreicher ein, verringert aber bislang nicht die Zahl derjenigen, die überhaupt mit den Zahlungen in Rückstand geraten. Aus dem Register scheiden zwar fortlaufend Schuldner aus, sie werden jedoch durch neue ersetzt. Experten fordern deshalb, künftig stärker auf Prävention, frühzeitige Kontrollen und eine transparentere Erfassung der Einkommen zu setzen.

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