Russisch in Zahlen: eine halbe Million Wörter, aber weniger Gewicht im Netz

Zum Tag der russischen Sprache am 6. Juni haben die „Wedomosti“ einen Überblick über die Stellung des Russischen in Russland, in der Welt und im Internet veröffentlicht. Der Feiertag fällt auf den Geburtstag Alexander Puschkins und wurde in Russland 2011 eingeführt; ein Jahr zuvor hatten die Vereinten Nationen eigene Tage für ihre sechs Amtssprachen geschaffen.

Nach Angaben des Staatlichen Puschkin-Instituts umfasst der Wortschatz des modernen Russischen rund 500.000 Wörter. Diese Schätzung beruht auf mehreren Wörterbüchern, darunter dem Großen akademischen Wörterbuch der russischen Sprache, Wörterbüchern der russischen Dialekte und des russischen Jargons. Der russische Grundkorpus enthält nach den genannten Angaben mehr als 134.000 Texte seit dem Jahr 1651 und knapp 389,5 Millionen Wortverwendungen.

Zu den am häufigsten verwendeten bedeutungstragenden Wörtern im modernen Russisch gehören – abgesehen von Präpositionen, Konjunktionen, Pronomen und Partikeln – „god“ (Jahr), „tschelowek“ (Mensch), „wremja“ (Zeit), „delo“ (Sache/Angelegenheit) und „schisn“ (Leben). Auch bei den Buchstaben zeigen sich klare Schwerpunkte: Die häufigsten sind „o“, „e“, „a“, „i“ und „n“. Auf die zehn häufigsten Buchstaben entfallen zusammen mehr als 60 Prozent aller Zeichen im untersuchten Textkorpus.

International gehört Russisch weiterhin zu den großen Weltsprachen, allerdings mit abnehmender relativer Bedeutung. Nach Berechnungen des Sprachsoziologen Alexander Arefjew beherrschten 1915 rund 140 Millionen Menschen Russisch – damals etwa 7,9 Prozent der Weltbevölkerung. Um 1990 erreichte die Zahl der Russischsprachigen mit rund 312 Millionen ihren Höhepunkt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion sank sie deutlich. Aktuelle Schätzungen gehen auseinander: Arefjew nannte 2018 rund 239 Millionen Russischsprachige, das Puschkin-Institut sprach für 2022 bis 2024 von etwa 255 Millionen, während Ethnologue für 2026 nur 210,3 Millionen angibt. Je nach Methodik liegt Russisch damit weltweit etwa auf Rang neun bis elf.

Staatssprache ist Russisch neben Russland auch in Belarus und Südossetien. Einen offiziellen Status besitzt es unter anderem in Kasachstan, Kirgisistan und Abchasien; in Tadschikistan ist es verfassungsrechtlich als Sprache der interethnischen Kommunikation verankert. In mehreren ehemaligen Sowjetrepubliken haben staatliche Webseiten weiterhin russischsprachige Versionen. Besonders hoch ist der Anteil russischsprachiger Bildung in Belarus, Kasachstan und Kirgisistan. In Belarus wurden im Schuljahr 2020/21 fast 90 Prozent der Schüler auf Russisch unterrichtet, in Kirgisistan rund 34,5 Prozent und in Kasachstan 31,5 Prozent.

Auch als Fremd- oder Zweitsprache bleibt Russisch in Teilen Zentralasiens präsent. Nach Duolingo-Daten war Russisch 2025 in Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan die zweitbeliebteste Sprache nach Englisch. In Aserbaidschan, Kasachstan und Litauen hatte Russisch diese Position in früheren Jahren ebenfalls inne, wurde dort aber später von Türkisch, Französisch beziehungsweise Spanisch verdrängt.

Im Internet hat Russisch dagegen an Gewicht verloren. Anfang der 2010er Jahre lag es nach dem Anteil der Websites, die Russisch als Hauptsprache verwendeten, zeitweise auf Platz zwei hinter Englisch. 2022 betrug sein Anteil noch rund fünf Prozent. Nach den jüngsten W3Techs-Daten liegt Russisch nur noch bei 3,5 Prozent und damit auf Rang sieben. Gewachsen sind dagegen die Anteile von Websites auf Spanisch, Deutsch, Japanisch, Französisch und Portugiesisch. Die „Wedomosti“ verweisen dabei auch auf die Methodik solcher Rankings: Gezählt werden die zehn Millionen meistbesuchten Websites, soziale Netzwerke und Messenger bleiben außen vor.

In Russland selbst bleibt die Dominanz des Russischen nahezu vollständig. Laut Volkszählung 2021 nannten 111,5 Millionen Menschen Russisch als Muttersprache; 134,3 Millionen gaben an, Russisch zu beherrschen. Das entsprach 99,2 Prozent der Befragten. Englisch lag mit 5,1 Millionen Personen auf Platz zwei der beherrschten Sprachen, Tatarisch mit 3,3 Millionen auf Platz drei. Insgesamt gibt es auf dem Gebiet Russlands nach diesen Angaben 155 lebende Sprachen.

Politisch wurde der Status des Russischen zuletzt weiter normiert. 2023 unterzeichnete Präsident Wladimir Putin Änderungen am Gesetz über die Staatssprache der Russischen Föderation. Demnach müssen in Bereichen wie Gesetzgebung, Verwaltung, Medien und Bildung die Normen der modernen russischen Literatursprache eingehalten werden, wie sie in Wörterbüchern, Nachschlagewerken und Grammatiken festgelegt sind.

Interessant ist vor diesem Hintergrund der Rückgang der durchschnittlichen Ergebnisse im Einheitlichen Staatsexamen Russisch. Der Durchschnittswert sank von 68,43 Punkten im Jahr 2023 auf 60,7 Punkte im Jahr 2025. Die Bildungsaufsicht Rosobrnadsor führt dies nicht auf schlechtere Sprachkenntnisse zurück, sondern auf veränderte Prüfungsformate und den schrittweisen Abbau von Aufgaben, die starkes „Antrainieren“ begünstigten.

Insgesamt zeichnen die Zahlen ein gemischtes Bild: Russisch bleibt eine große internationale Sprache mit starkem institutionellem Gewicht, vor allem im postsowjetischen Raum und in internationalen Organisationen. Gleichzeitig ist seine globale Reichweite seit dem Ende der Sowjetunion zurückgegangen, und auch im Internet hat Russisch spürbar an Rang verloren.

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