Russen kaufen wieder – Ende der Krise?

Foto: © Michael Barth/russland.NEWS
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Wenn man sich das Kaufverhalten der Russen momentan ansieht, hat es den Anschein, dass die wirtschaftliche Krise überwunden sei. Eine Erhebung, die das Konsumverhalten innerhalb der russischen Bevölkerung analysierte, will herausgefunden haben, dass die Zeit des Darbens vorüber ist.

Das Tal der Tränen scheint durchschritten, wie eine Erhebung des Zentrums für soziologische Forschungen an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft (RANEPA) ergab. Die Studie mit dem klangvollen Titel „Eurobarometer in Russland“ ermittelte, das die Russen wieder eher bereit sind, Geld auszugeben. Während im vergangenen Jahr noch viele potentielle Konsumenten ihr Geld auf die Seite gelegt haben, sei die Zahl der Sparer um rund ein Viertel zurückgegangen.

Es gäbe wieder deutlich mehr Optimisten in Russland als noch vor zwölf Monaten, berichtet die Wirtschaftszeitung Wedemosti. Elf Prozent aller Russen glauben demnach, dass sich die wirtschaftliche Situation im Land gebessert habe. Nur noch 14,8 Prozent der Einwohner Russlands sind der Ansicht, das Gegenteil sei der Fall. Das ist eine deutliche Steigerung der positiven Einstellung zur Wirtschaftskraft. Letztes Jahr waren noch 31,2 Prozent der Russen wesentlich pessimistischer eingestellt.

Wie der Wissenschaftler Dmitri Loginow bestätigt, entspreche diese Einstellung durchaus der Realität. Die Inflation sei deutlich niedriger und die Löhne gegenüber den Krisenjahren gestiegen. Während rund 64 Prozent der Befragten keine großen Veränderungen in ihrem Portemonnaie im Jahr 2017 wahrnehmen, finden 28 Prozent der Russen, dass sich ihre persönliche finanzielle Situation im letzten Vierteljahr verschlechtert habe. Diese Aussage bestätigten im Jahr 2016 noch 32 Prozent der Befragten, im Jahr 2015 sogar 44 Prozent. Diese Zahlen ergaben sich aus einer Umfrage des Fonds für öffentliche Meinung (FOM).

Auch beim Kauf von Lebensmitteln spart der russische Verbraucher laut dem Soziologischen Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAN) wieder weniger. Einer diesbezüglichen Umfrage gemäß müssen nur 35 Prozent statt vor einem Jahr noch 51 Prozent den Gürtel beim Kauf von Nahrungsmitteln enger schnallen. Merklich gesteigert hat sich auch die Bereitschaft der russischen Bevölkerung, wieder Geld für Bekleidung und Schuhe auszugeben. Während Umfragen im letzten Jahr ergaben, dass mit 61 Prozent weit mehr als die Hälfte der Russen an diesen Gütern sparen mussten, waren es jüngst nur noch 47 Prozent.

Auch Dmitri Loginow kann nur bestätigen, was die Umfragen ergaben. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Russen wieder mehr konsumieren und weniger sparen. Allerdings muss Oxana Sinjawskaja, die Vize-Direktorin des Instituts für Sozialpolitik der Higher School of Economics, einräumen, dass die Konsumfreudigkeit noch weit entfernt vom Vorkrisenniveau läge. Nichtsdestotrotz verzeichnen Russlands Banken eine Steigerung des verliehenen Kreditvolumens auf 11,2 Billionen Rubel, was umgerechnet rund 1,6 Milliarden Euro entspricht.

[mb/russland.NEWS]

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.