Putsch in der Türkei – die Lage eskaliert

Foto: Mstyslav Chernov CC BY-SA 3.0Foto: Mstyslav Chernov CC BY-SA 3.0
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Istanbul/Ankara – Nach dem Putsch des Militärs in der Türkei wird die Situation immer brenzliger. Trotz verhängter Ausgangssperre riefen die Muezzin von den Minaretten der Moscheen die Bewohner auf, sich auf die Straße zu begeben und gegen die Machtübernahme des Militärs zu demonstrieren. Präsident Erdoğan appellierte an die Bevölkerung, in die Öffentlichkeit zu gehen, um ein Zeichen zu setzen: „Ich rufe unser Volk auf, sich auf den Plätzen und am Flughafen zu versammeln!“ Zehn- wenn nicht gar hunderttausend Türken seien diesem Aufruf gefolgt, heißt es.

Unterdessen fielen In Istanbul die ersten Schüsse des Militärs auf eine Menschenmenge. In der türkischen Hauptstadt Ankara sei es laut CNN Türk zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Militär gekommen. Das Parlament in Ankara steht unter Panzerbeschuss, ein Hubschrauber der Putschisten wurde von F16-Kampfjets über der Stadt abgeschossen.

Auch der Fernsehsender HaberTurk vermeldet Schüsse aus Ankara. Zudem sei die Hauptstadt von zwei Detonationen erschüttert worden. Zuvor stand demnach die Zentrale der Sicherheitsbehörde in Ankara zweimal von der Luft aus unter Beschuss. Laut Berichten soll auch auf den Präsidentenpalastes in der türkischen Hauptstadt geschossen worden sein. Dabei hätte es Verletzte gegeben. Zudem sollen 17 Polizisten vor der Zentrale der Sondertruppen in Ankara getötet worden sein.

Präsident Recep Erdoğan weile, entgegen vorheriger Meldungen, gegenwärtig an seinem Urlaubsort, ein Flug nach Ankara oder Istanbul sei ohnehin nicht möglich. Laut amerikanischer Medien habe er Gerüchten zufolge bereits um Asyl in Deutschland gebeten. Von Seiten der Bundesregierung gab es dazu bisher noch keine Stellungnahme. Wie der Pressesprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin erklärte, sei in Russland noch keine dementsprechende Bitte eingegangen, deshalb könne man darüber nicht hypothetisch sprechen.

Das Auswärtige Amt rät momentan dringend vor Reisen in die Türkei ab. Sämtliche Fluglinien dorthin haben ihre Flüge dorthin mittlerweile gestrichen. Maschinen, die sich schon auf dem Weg befanden, bekamen strikte Order, unverzüglich umzukehren. In Berlin versammelten sich unterdessen mehrere hundert Anhänger des türkischen Präsidenten mit Plakaten und türkischen Fahnen vor der Türkischen Botschaft in Berlin-Mitte.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.