Russlands Präsident Wladimir Putin sieht in der künstlichen Intelligenz zugleich eine Gefahr für Millionen Arbeitsplätze und eine strategische Chance für Russland. Bei einem Auftritt am Rande des Eurasischen Wirtschaftsforums in Astana erklärte Putin, durch die Entwicklung von KI-Technologien könne es weltweit zu tiefgreifenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt kommen.
Es sei ein realistisches Szenario, dass Millionen Menschen ihre Arbeit verlieren oder gezwungen sein könnten, ihren Beruf zu wechseln, sagte Putin. Ganze Berufe könnten verschwinden, wenn an die Stelle des Menschen „Computerverstand“ trete.
Gleichzeitig stellte der Präsident Russland als eines der wenigen Länder dar, die in der Lage seien, eigene „souveräne“ Plattformen für künstliche Intelligenz aufzubauen. Als russische Vorteile nannte er ausreichende Energieversorgung, ein Verständnis für die Risiken neuer Technologien, den intellektuellen und bildungspolitischen Bestand des Landes sowie die Fähigkeit, große Finanzmittel auf strategisch wichtige Bereiche zu konzentrieren.
Gerade darin liegt die eigentümliche Doppelbotschaft des Auftritts: Putin warnt vor einer Technologie, die Millionen Menschen überflüssig machen könnte – und erklärt im nächsten Schritt, dass Russland diese Technologie aus Gründen der Souveränität, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit unbedingt selbst entwickeln müsse.
Nach Putins Darstellung kann Russland nur dann „sicher voranschreiten“, seine Sicherheit gewährleisten und seine Verteidigungsfähigkeit sichern, wenn es über eigene KI-Modelle verfügt. Bereits im April hatte er Regierung und Regionen angewiesen, bis 2030 einen Plan zur Einführung künstlicher Intelligenz in allen Bereichen auszuarbeiten, darunter Wirtschaft und Bildung.
Zugleich warb Putin für Zusammenarbeit innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion. Durch gemeinsame Projekte mit Partnerstaaten könne man, so der Präsident, ein „kolossales Ergebnis“ erzielen. Für 2027 schlug er vor, in Russland ein hochrangiges Treffen zur künstlichen Intelligenz abzuhalten.
Die russische Führung bewegt sich damit in einem vertrauten Widerspruch: Technologie erscheint als Risiko für die Gesellschaft, aber auch als Machtinstrument des Staates. KI soll Arbeitsmärkte verändern, möglicherweise ganze Berufsgruppen verdrängen – und zugleich helfen, die staatliche Souveränität zu sichern. Die Frage, wie die von Putin selbst beschriebenen sozialen Folgen abgefedert werden sollen, blieb in den Kommersant-Meldungen offen.
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