Poroschenko muss draußen bleiben

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Berlin – Als es beim sogenannten Treffen im Normandieformat um sein Land ging, war der ukrainische Präsident Petro Poroschenko noch geduldet. Inwiefern das Minsker Abkommen vom Februar 2015, das die Beendigung des Konflikts in der Ostukraine ermöglichen sollte, jedoch schon bald ins Stocken geraten ist, nun doch umgesetzt werden kann, liegt zum Großteil auch in seinen Händen.

Poroschenko, der durch einen inszenierten Putsch im Jahr 2014 in das Amt des ukrainischen Präsidenten gehoben wurde, gab sich in seiner bisherigen Amtszeit alle Mühe, sein Land und seine Politik weltpolitisch in Frage zu stellen und den Konflikt mit dem Nachbarn Russland ständig aufs Neue anzuheizen. Nun sollen gemeinsam Wege beschritten werden, die die Gewalteskalation gegenüber seinem eigenen Volk beenden sollen.

Als bei dem Gipfeltreffen jedoch der Tagesordnungspunkt Syrien auf dem Programm stand, wollte man Petro Poroschenko gar nicht erst dabei haben. Der Aufschrei der Entrüstung in den Reihen der ukrainischen Delegation in Berlin war dementsprechend unüberhörbar. Man echauffierte sich, dass die Ukraine schließlich Mitglied des UN-Sicherheitsrates sei.

Taktlos?

Jedoch, alles Schimpfen und Zetern half ihnen nichts, pünktlich um Mitternacht wurde der Staatschef vor die Tür gesetzt. „Poroschenko die Tür weisen? Ich halte das Verhalten von Merkel und Hollande gegenüber der Ukraine für diplomatische Taktlosigkeit, Kurzsichtigkeit und flegelhaftes Benehmen“, schrieb Anatoli Grizenko, Ex-Verteidigungsminister der Ukraine, auf seiner Facebook-Seite.

In dem sozialen Netzwerk wetterte der Abgeordnete der Werchowna Rada weiter: „Poroschenko ist um Mitternacht hinaus komplimentiert worden und dann haben sie (Angela Merkel und Francois Hollande – Anm. d. Red.) zu dritt, zusammen mit Putin, begonnen, über Syrien zu sprechen. Wird da eines der Hauptprobleme der Weltsicherheit demonstrativ ohne die Ukraine erörtert?“

So ganz spontan möchte man Grizenko antworten, ja so ist das eben. Denn, und da dürften sich alle Beteiligten einig sein, die Ukraine hat weiß Gott ihre eigenen Probleme, die sie vorrangig zu bewältigen hat. Da käme eine führende Rolle im Kreis der Syrien-Gespräche zur absoluten Unzeit und somit wohl kaum in Frage.

[mb/russland.RU]

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.