Plante Russe Anschlag in Oslo?

Foto: commons.wikimedia/Kjetil Ree CC BY-SA 3.0
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In der norwegischen Hauptstadt wurde gestern ein verdächtiger Gegenstand gefunden und vorsorglich von der Polizei kontrolliert gesprengt. Das Objekt wurde als dilettantischer Sprengsatz identifiziert. Als Urheber wurde ein 17-jähriger Russe festgenommen.

Bei einem in der Nacht auf Sonntag an der U-Bahnhaltestelle Grønland in Oslo gefundenen Objekt, das in einer Plastiktüte verpackt war, handelte es sich nach Angaben der Behörden um eine primitive, improvisierte Sprengladung. Wie die norwegische Nachrichtenagentur ‚NTB‘ berichtete, habe die Polizei den Fund ‚kontrolliert‘ gesprengt. Der Sprengsatz hätte laut den Entschärfern ohnehin keinen allzu großen Schaden angerichtet, heißt es.

Vorsorglich wurde die Umgebung des Fundortes laut der Agentur ‚Reuters‘ großräumig von den Sicherheitskräften abgesperrt, da sich hier neben zahlreichen Bars und Restaurants auch das Hauptquartier der Osloer Polizei sowie mehrere Moscheen befinden. Nach Angaben der örtlichen Behörden habe für die Bevölkerung keine Gefahr bestanden. Auf Grund des jüngsten Attentats in Stockholm, bei dem vier Menschen getötet und 15 verletzt worden sind, herrscht in Norwegen erhöhte Alarmbereitschaft. Der norwegische Geheimdienst habe nach dem Fund die Terrorgefahrenstufe für die folgenden zwei Monate von „möglich“ auf „wahrscheinlich“ heraufgesetzt.

Unmittelbar nach der Sprengung des Gegenstandes nahm die Polizei einen 17-jährigen Asylbewerber, der aus Russland stammen soll, fest. Angaben über die ethnische Abstammung des Verhafteten wurden bislang keine gemacht. Wie und ob überhaupt ein Anschlag geplant war, müsse derzeit ebenfalls noch geklärt werden, heißt es aus Sicherheitskreisen. Der mutmaßliche Verdächtige sei allerdings, so Benedikte Bjørnland, die Leiterin des Inlandsgeheimdienstes ‚PST, kein Unbekannter bei den Behörden gewesen.

Wie Bjørnland mitteilte, sei der junge Mann mit seiner Familie 2010 als Asylbewerber nach Norwegen gekommen und habe sich in Kreisen des „extremen Islamismus“ in Norwegen bewegt. Man könne allerdings davon ausgehen, dass die jüngsten Anschläge in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Russland und Schweden möglicherweise auch „einen Nachahmereffekt auf Sympathisanten des Islamismus in Norwegen ausüben“, so die PST-Leiterin.

Für die Ermittlungen sei es nun laut der leitenden Staatsanwältin des Geheimdienstes, Signe Aaling, wichtig, „die Absichten des Festgenommen zu klären.“ Ebenfalls sei noch zu untersuchen, ob der Verdächtige alleine gehandelt hat oder ob es noch eventuelle Mittäter gäbe. Heute soll der Festgenommene einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Rechtsanwältin Aase Karine Sigmond bezeichnete die Tat ihres Mandanten gegenüber dem Sender ‚NRK‘ zunächst als „Dummejungenstreich“.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.