Ostukraine: Starke Repressionen der Euromaidaner [mit Video]

Verhaftung des prorussischen Oppositionsführers in Donezk - Russischfeindlichkeit im Bildungssystem von Odessa - Neonazis im Oberwasser

Eigentlich beunruhigender als von der Krim sind aktuell die Nachrichten, die aus der russischsprachigen Süd- und Ostukraine über regionale Medien nach außen dringen. Denn die neuen Euromaidan-Machthaber versuchen nun mit der Knute diesen Landesteil beim eigenen Staat zu halten, was der falscheste aller Wege sein dürfte.

In Donezk wurde gestern abend der prorussische Oppositionelle Paul Gubarew in seiner Wohnung verhaftet. Von seinen Anhängern „Gouverneur des Volkes“ genannt, war er der Kopf der dortigen seperatistischen Bewegung und einer der Organisatoren mehrerer dortiger Demonstrationen. Als Anklage gegen ihn gilt ein „Angriff auf die Integrität des Staatsgebietes der Ukraine“. Mit diesem Straftatbestand wird aktuell überall in der Ostukraine versucht, prorussische Opposition mundtot zu machen. Auch der örtlichen Presse wird damit die unabhängige Berichterstattung erschwert. Hier zeigt sich sehr deutlich das Demokratieverständnis der Euromaidan-Machthaber, das gegen unliebsame Opposition ebenso handelt, wie die von ihr deshalb kritisierte russische Seite. Der russische Onlinesender livenews.ru hat die Verhaftung filmisch dokumentiert:

http://www.youtube.com/watch?v=fHv-ESY6EhA

Die Onlinezeitung Tajmer aus Odessa berichtet empört vom Geist des jetzt leitenden Vorsitzenden des Odessa-Schriftstellerverbandes und bekennenden Euromaidaners Sergej Dmitijew, der im Vorfeld der Olympischen Spiele in Sotschi als Lehrer seinen Schülern verboten hatte, ihre russische Muttersprache außerhalb des Russischunterrichts zu verwenden. Da er diese Aussage mittlerweile bestreitet, stellte die Zeitung gleich einen Audiomitschnitt der Anweisung direkt an die Schüler mit ins Netz, der deutlich zeigt, von welch unterdrückendem Geist die Vertreter der neuen Macht in Kiew sind, wenn keine westlichen Kameras laufen. Eine neue Kommission für ein Sprachengesetz wird in der Ostukraine – ebenso wie auf der Krim (russland.RU berichtete) – sehr kritisch gesehen, da auch hier die Vorsitzende Irina Farion als russophob bekannt und berüchtigt ist. Ein örtliches Mitglied der Kommission aus Odessa bezeichnet es gegenüber „Tajmer“ als unvorstellbar, mit der Frau bezüglich einer von dieser verhassten Sprache zusammen zu arbeiten. Empört berichten Studenten der Universität der Stadt weiter davon, dass sie im Unterricht statt Stoff mit Gedankengut der Euromaidan-Regierung traktiert werden. Als Studenten dies kritisierten, seien sie als russische Seperatisten beschimpft worden.

Oberwasser hat in der Ukraine der neonazistische „Rechte Sektor“. Wie die Charkower Onlinezeitung atn.ua berichtet, wird er mit Dmitry Jaros einen eigenen Präsidentschaftskandidaten aufstellen. Weitere Onlinezeitungen in Charkow berichten ebenfalls über die Repressionen gegen die russische Sprache in Odessa, was zeigt, dass die russischsprachigen Teile der Ukraine gut miteinander vernetzt sind. Presseorgane auf „Euromaidan-Kurs“ verschweigen nämlich alle derartigen Informationen und sind in der Berichterstattung ähnliche einseitig wie ARD und ZDF im Abendprogramm. Dort ist man ja seit vorgestern dazu über gegangen, einzelne kritische Kommentare zu den Euromaidan-Verbündeten als Alibiberichte zuzulassen, aber nur im Nachtprogramm oder den Dritten, wo nicht so viele Leute zuschauen. In der Süd- und Ostukraine könnte eine Folge der neuen Repressionen das Aufflammen von Unruhen unter der russischsprachigen Bevölkerungsmehrheit sein.