Ostukraine: Brandherde überall [mit Videos]

Mordanschlag in Charkow - Toter in Donezk - Schüsse in Odessa und Stachanow - Blick auf deutsche Journalisten, die deutsche Geiseln suchen

Es gibt aktuell kaum einen Fleck in der russischsprachigen Süd- und Ostukraine, aus der nicht beunruhigende Meldungen dringen. Hier die wichtigsten des Tages.

  • Alle Nachrichten dieses Artikels stammen ausschließlich aus ukrainischen Quellen vor Ort, um eine Verfälschung unserer Berichterstattung durch deutsche oder russische Medien oder Agenturen zu verhindern

Charkow: Mordanschlag auf Bürgermeister Kernes

Auf den als gemäßigten Antimaidaner geltenden Bürgermeister von Charkow Kernes wurde heute ein Mordanschlag verübt, bei dem er lebensgefährlich verletzt wurde. Er befindet sich derzeit im Krankenhaus, sein Zustand ist nach Auskunft der Ärzte kritisch. Er erlitt Schussverletzungen aus einem Scharfschützengewehr. Unweit wurde nach regionalen Meldungen auch eine Bombe oder Granate gefunden. Ob hinter den Anschlag Euromaidaner oder radikale Antimaidaner, die sich Kernes ebenfalls zum Feind gemacht hat, stehen, wird noch spekuliert. Kernes hatte sich auch gegen separatistische Bestrebungen in seiner Stadt ausgesprochen. Zwischenzeitlichen Gerüchten um einen Tod von Kernes im Krankenhaus widersprache der ebenfalls aus Charkow stammende ukrainische Präsidentschaftskandidat Dobkin. Nach der Charkower Onlinezeitung Nahnews wird gernes aktuell vom Stadtsekretär Alexander Nowak vertreten. Währenddessen forderten die örtlichen Kommunisten die Freilassung des inhaftierten Charkower Antimaidan-Führers Dolgow und erklärten sich bereit, für diesen nötigenfalls eine Kaution zu stellen.

Odessa: Schüsse auf Antimaidaner-Wohnung

In Odessa gaben Unbekannte Schüsse auf die Wohnung eines bekannten Anführers der prorussischen Opposition ab. Es handelt sich um einen örtlichen Kosaken-Ataman. Getroffen haben die Unbekannten zum Glück nur das Fenster und den Rollo (das zugehörige Video wurde leider von YouTube gelöscht; das liegt oft am Rechteaufkauf überregionaler Agenturen). Auch radikale Antimaidaner waren vor Ort gewalttätig unterwegs und warfen Molotow-Cocktails auf die örtliche Universität. Da der Brand schnell gelöscht werden konnte, entstand nur geringer Sachschaden. Die Führungsspitze der Universität war zum Euromaidan-Umsturz ausgewechselt worden und besteht jetzt aus Euromaidan-treuen Funktionären-

Lugansk: Timoschenkos Büro verwüstet – Zweiter Bürgermeister verhaftet

In Lugansk im Donbass, einer Hochburg des Antimaidan, verwüsteten  unbekannte mutmaßlich prorussische Randalierer die örtliche Wahlkampfzentrale von Timoschenkos Partei „Vaterland“. Ein Mitarbeiter des Büros wurde dabei verletzt. Verhaftet wurde der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Igor Perepatschaenko, dem die Organisation von Unruhen vorgeworfen wird. Die örtliche Onlinezeitung Lugradar berichtet weiterhin von einem Schusswechsel in der unweiten Kleinstadt Stachanow.

Donbass: Ein Toter und noch eine Verwaltung besetzt

In der Stadt Konstantinowka im Donbass besetzten etwa 30 Separatisten die örtliche Verwaltung und fügten der Serie der besetzten Gebäude ein weiteres hinzu. Das berichtet die örtliche Onlinezeitung kostantinovka.in.ua. Unmittelbar danach begannen sie Barrikaden zu bauen. Experten rechnen mit weiteren derartigen Aktionen in weiteren Orten, so dass die „slawischen Milizen“ (örtliche Bezeichnung), die gegen Kiew kämpfen, ihre dezentrale Strategie fortzusetzen scheinen. In Donezk fand vor einer ukrainischen Bank eine Protestkundgebung der Antimaidaner statt, die deren regierungstreues Handeln kritisierte. Die Demonstranten verurteilten auf Plakaten die „Unterstützer des Nationalsozialismus“ und zerstörten demonstrativ Kundenkarten der Bank, wie die Onlinezeitung Nahnews berichtet. Die Odessaner Onlinezeitung Tajmer berichtet aus Donezk von einem toten und einem schwerverletzten ukrainischen Soldaten bei der Explosion eines improvisierten Sprengsatzes. Ach ja: Chodorkowski war auch da in Donezk und natürlich wurde er von örtlichen „Paparazzi“ gefilmt:

Und die deutschen Geiseln in Slawjansk?

Diese sind für die Onlinepresse vor Ort heute kaum einer eine Meldung wert. Angesichts von Bomben, Schüssen und Toten sind entführte Deutsche offenbar außerhalb des eigenen Dunstkreises vor Ort keine große Meldung. Nur in der Slawjansker Regionalzeitung Slavgorod gibt es eine Meldung, in der der Führer der örtlichen slawischen Milizen (radikale Antimaidaner) nochmals bekräftigt, seine Gefangenen gegen von der Regierung inhaftierte eigene Gefolgsleute austauschen zu wollen. Davon hat das Web-TV der Zeitung aber immerhin ein Video gemacht:

In der Gewalt der örtlichen Miliz befinden sich jedoch nicht nur die NATO-Soldaten, zu denen mehrere deutsche Offiziere gehören, sondern auch mehrere ukrainische Militärs. Auf dem Video ist auch deutlich zu sehen, wo sich momentan die internationalen Journalisten in der Ostukraine alle tummeln, so dass ihnen wahrscheinlich die meisten oben geschilderten Vorgänge entgangen sein dürften. Für den Slawjansker Kollegen wiederum scheinen die Journalisten an den Statements des örtlichen Milizensprechers sogar das interessanteste zu sein. Und so sehen wir hier zum Abschluss einmal das Bild, das die Leute vor Ort von denen bekommen, die bei uns den Gutgläubigen in den TV-Sesseln Wahrheit vorspielen:

Diesen Blick gibt es natürlich nur bei russland.TV. Aber wir bleiben dran und berichten weiter, was die Leute vor Ort denken, anstatt das, was Journalisten von Mainstream-Medien von anderswo mit vorgefertiger Meinung dort für sich zurechtschreiben.