Nach Olympia-Rauswurf: Boykottiert Russland die Spiele?

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Nach dem Beschluss des IOC, Russland wegen angeblichen „Staatsdopings“ von den Olympischen Spielen in Pyeongchang auszuschließen, werden im Lande immer mehr Stimmen laut, die Winterspiele gänzlich zu boykottieren. Hier ein kurzer Einblick in die Reaktionen von russischen Politikern und Sportlern zur IOC-Entscheidung.

Igor Lebedew, Duma-Vizesprecher und Mitglied des Exekutivkomitees des Russischen Fußballverbandes, bezeichnete das Verbot, unter der russischen Flagge anzutreten, als „Erniedrigung für eine so große Sportnation wie Russland“. Er fordert „die gemeinsame Entscheidung aller Sportverbände unseres Landes zum Verzicht auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen“, schreibt Newsru.com.

Erneuter Versuch zur Isolierung Russlands?

Für Franz Klinzewitsch vom Ausschuss des Föderationsrates für Verteidigung und Sicherheit ist es völlig ausgeschlossen, dass russische Sportler in Pyeongchang unter neutraler Flagge antreten. Wie immer die Entscheidung lauten werde, dürfe „eine Großmacht nicht „inkognito“ zu Olympia fahren“. Den IOC-Beschluss bezeichnete er als „rein politische Entscheidung“ und „erneuten Versuch, Russland zu isolieren“.

Sein Kollege Igor Morosow bedient sich gar reiner Verschwörungstheorien und spricht von einem „Hybridkrieg“ gegen Russland im Vorfeld der Präsidentenwahlen.

Boykott wäre ein großer Fehler“

Naturgemäß sehen die betroffenen Sportler die Sache aus einem ganz anderen Blickwinkel. Eishockeystar Ilja Kowaltschuk erklärt kategorisch: „Wir müssen unbedingt zur Olympiade fahren! Ja, sie haben uns die Flagge und die Hymne weggenommen, aber nicht die Ehre und das Gewissen.“

Die russische Ex-Olympiasiegerin im Weitsprung, Tatjana Lebedewa, spricht sich ebenfalls gegen die Nichtteilnahme Russlands in Südkorea aus: „Wenn unser Staat sich für einen Boykott entscheidet, wäre das meiner Meinung nach ein großer Fehler“, sagte sie in einem Interview für Sport-Express. Dabei erinnerte sie an den Boykott der Spiele 1984 seitens der Sowjetunion, der sich in jeder Hinsicht negativ ausgewirkt hätte.

Kreml: „Analyse jenseits aller Emotionen“

Die offizielle Haltung des Kremls findet sich indes in den Worten von Putins Pressesekretär Dmitri Peskow wieder: „Die Situation ist ernst und erfordert eine tiefe Analyse; sich einfach Emotionen hinzugeben, wäre hier fehl am Platze“, zitiert Sport-Express den Kreml-Sprecher.

In den sozialen Netzwerken wird natürlich ebenfalls heftigst diskutiert. Inzwischen steht der Hashtag #NoRussiaNoGames im russischen Twitter unangefochten an der Spitze. Zu den Unterstützern der Aktion zählt unter anderem der französische Kinostar und Neu-Russe Gerard Depardieu.

[sb/russland.NEWS]