Österreichische Geschäftsleute trauern ob der fehlenden Russen

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Seit zwei Monaten kommen weniger Russen und Ukrainer nach Österreich: Im März sank die Zahl der Nächte, die russische Urlauber in Wiens Hotelbetten verbracht haben, um 13, im April um 22 Prozent, berichtet die österreichische Tageszeitung „Die Presse“ am Dienstag.

In ganz Österreich sank die Zahl der Übernachtungen russischer Urlauber um 9,4, die von Ukrainern um 15,3 Prozent. Der Russenboom ist nun in Österreich vorbei, wie die Zeitung schreibt.

Das spürt besonders die Wiener Luxusbranche, die sich in den vergangenen Jahren ganz besonders auf die zahlungskräftige Klientel eingestellt hatte. „Diejenigen, die kommen, geben auch weniger Geld aus“, sagt Florian Jonak, der mit seiner Familie in der Innenstadt Boutiquen von Luxusmarken betreibt. Je nach Geschäft und Marke sind in den Boutiquen der Jonaks die Umsätze mit russischen Kunden in den vergangenen neun, zehn Wochen um 15 bis 20 Prozent, jene mit Ukrainern – die freilich für deutlich weniger Umsatz sorgen – um fünf bis 15 Prozent zurückgegangen.

Andere Geschäftsleute in der City beziffern den Umsatzrückgang gar mit rund 30 Prozent. Russen geben, so die Schätzungen der Wirtschaftskammer, jährlich rund 60 Mio. Euro bei Wiener Handelsbetrieben aus.

Mit mehr als 700.000 Übernachtungen waren Russen 2013 die drittwichtigste und die am schnellsten wachsende Urlaubergruppe.

Die Ukraine-Krise hat für Unsicherheit gesorgt, heißt es weiter in der Zeitung. Zur Debatte um Sanktionen und zu den gesperrten Konten kommt das Problem der Währung, das die Geschäftsleute als noch größer als die aktuelle Ukraine-Krise empfinden. Der Rubel wurde gegenüber dem Euro abgewertet, was Wien als Shoppingdestination für Russen unattraktiver macht.

Vor allem die Reichsten meiden Wien nun, sagt Jonak. Oder, sie können nichts mehr ausgeben: Öfter schon sei es vorgekommen, dass ein russischer Kunde einkaufen wollte und an der Kasse erfuhr, dass die Kreditkarte gesperrt war.

Und viele Russen verzichten auch aufgrund der antirussischen Stimmung in Europa auf einen Urlaub. Das Gefühl, nicht mehr willkommen zu sein, schreckt ab, Russen seien besonders empfindlich, so die österreichische Zeitung.
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