Odessa: Wurde Militärbasis überfallen oder nicht?

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Unbekannte hätten einen Raubüberfall auf einen Militärstützpunkt in Odessa verübt, hieß es am vergangenen Sonntag in den Medien. Schon kurz darauf wurde die Meldung wieder dementiert. Die Angaben von Militär und Polizei sind widersprüchlich und plötzlich ist noch ein Bauträger mit im Spiel.

Am vergangenen Sonntagvormittag habe sich ein bewaffneter Raubüberfall auf einen Militärstützpunkt in Odessa ereignet, hieß es laut einer Mitteilung der Kommandobehörde der ukrainischen Luftwaffe. Demnach hätten etwa vierzig unbekannte mit Sturmhauben maskierte Personen versucht, einen Teil des Geländes innerhalb der militärischen Einrichtung zu besetzen, so die offizielle Stellungnahme der Behörde. Der Vorfall soll sich um 8:45 Uhr Ortszeit ereignet haben.

Anschließend sei von den Angreifern ein Teil der Umzäunung des Stützpunktes demontiert und nicht weiter benanntes „militärisches Eigentum“ mit unbekanntem Wert in eine ebenso unbekannte Richtung weggeschafft worden. Wie die ukrainischen Luftstreitkräfte meldeten, haben die Militärpolizei und die Militärstaatsanwaltschaft gemeinsam mit dem Luftwaffenkommando „Süd“ die Ermittlungen eingeleitet.

Kurioserweise wurde diese Meldung noch am selben Abend von der örtlichen Polizei dementiert. Die Nachricht über einen „Angriff“ sei schlichtweg falsch, wie Ruslan Forostjak, der Berater des Leiters der nationalen Polizei in Odessa, mitteilte. In einem Statement gegenüber dem Fernsehsender 112 Ukraina heißt es: „Ich möchte von Anfang bis Ende die Informationen dementieren, die zuvor der Pressedienst des Kommandos der Luftwaffe der Ukrainischen Streitkräfte verbreitet hatte. Diesen Vorfall hat es überhaupt nicht gegeben.“

Zwar bestätigte Forostjak, dass bei den Sicherheitskräften eine dementsprechende Meldung eingegangen sei, resümierte jedoch, die Überprüfung habe keinerlei Hinweise auf einen stattgefundenen Raubüberfall ergeben. „Auf dem Territorium des Militärstützpunktes hatten keine Personen unbefugten Zutritt und es gab überhaupt keinen Konflikt“, wird der Vertreter der Behörde vom Sender zitiert.

Allerdings räumte Forostjak ein, dass außerhalb des Militärgeländes Bauarbeiten zum Zeitpunkt des angeblichen Überfalls durchgeführt worden sind. So sei es ihm zufolge gut möglich, dass Bauarbeiter ihren Bauschutt oder dergleichen weggefahren hätten. Zudem habe der verantwortliche Baustellenleiter sämtliche notwendigen Papiere ordnungsgemäß vorweisen können. Für die Polizei gebe es daher keinen Grund für ein Verfahren „welcher Art auch immer“, sagte er abschließend.

Erste Ermittlungen der Militärbehörde hingegen hätten ergeben, dass Augenzeugen Kontakt mit den vermeintlichen Angreifern gehabt haben wollen. Die Unbekannten hätten sich als Vertreter eines Einkaufs- und Unterhaltungszentrums mit dem Namen Citi Center ausgegeben. Um wen es sich bei den sogenannten Augenzeugen handelt, wurde nicht weiter ausgeführt. Auch die Auswertung der Aufnahmen aus Überwachungskameras habe nichts ergeben, wie die Polizei mitteilte.

Wie 112 Ukraina weiter berichtet, gebe es jedoch einen schon länger währenden Konflikt um die Nutzungsrechte des Geländes unmittelbar außerhalb des militärischen Territoriums. Demnach erhebe das Militär Anspruch darauf, während verschiedene Geschäftsleute ebenfalls reges Interesse an dem Grund und Boden zeigten. Nach Ruslan Forostjaks Informationen habe der Stadtrat von Odessa das Grundstück einem Bauträger überlassen, der vorhabe darauf einen „Hypermarket“ zu errichten.

[mb/russland.NEWS]