NATO-Oberbefehlshaber: Krieg mit Russland ist nicht unvermeidlich

NATO-Oberbefehlshaber: Krieg mit Russland ist nicht unvermeidlich

NATO-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich sieht Russland weiterhin als Bedrohung, hält einen militärischen Konflikt aber für vermeidbar. Bei einem Besuch in Lettland warb der US-General für Abschreckung und gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit.

Ein Krieg zwischen Russland und der NATO ist nach Einschätzung des alliierten Oberbefehlshabers in Europa, Alexus Grynkewich, nicht unausweichlich. Nach einem Gespräch mit dem lettischen Präsidenten Edgars Rinkēvičs am 30. Oktober erklärte der General laut dem öffentlich-rechtlichen Sender LSM, die Allianz müsse auf einen möglichen Konflikt vorbereitet sein, um dessen Ausbruch zu verhindern.

Grynkewich bezeichnete Russland weiterhin als Bedrohung. Zugleich sprach er sich gegen übermäßige Alarmstimmung aus. Entscheidend seien militärische Bereitschaft und die Fähigkeit von Bevölkerung und Institutionen, Krisen standzuhalten.

Seine Argumentation verknüpfte der US-General ausdrücklich mit Präsident Donald Trumps Formel vom Frieden durch Stärke: Eine ausreichend starke und vorbereitete Allianz könne dazu beitragen, dass es nicht zum Krieg komme.

Lettland und andere Staaten an der NATO-Ostflanke hätten Erfahrungen mit gesellschaftlicher Widerstandsfähigkeit, von denen die übrigen Verbündeten lernen könnten. Grynkewich lobte zudem Lettlands Verteidigungsanstrengungen und verwies auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung.

Kommersant stellte den Äußerungen die russische Position gegenüber: Moskau weist die Vorstellung zurück, einen Angriff auf NATO-Staaten vorzubereiten. Die russische Führung beschuldigt ihrerseits europäische Regierungen, die militärische Konfrontation zu verschärfen.

Grynkewichs Aussagen sind damit vor allem eine Erläuterung der Abschreckungsstrategie. Die Feststellung, ein Krieg sei vermeidbar, verbindet er mit der Forderung nach weiterer Vorbereitung. Eine neue diplomatische Initiative oder eine Änderung der militärischen Haltung gegenüber Russland kündigte er in den zitierten Aussagen nicht an.

Für die Einordnung ist auch seine Funktion entscheidend: Obwohl Grynkewich amerikanischer General ist und sich auf Trump beruft, spricht er hier als militärischer Oberbefehlshaber der NATO in Europa. Seine Äußerungen sind deshalb nicht ohne Weiteres als eigenständiges bilaterales Signal Washingtons an Moskau zu verstehen.

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