„Nach Russland oder nach Westen“ – Wohin geht die Ukraine?

Ende November 2013 ging die Ukraine von ihrem Weg zur Annäherung an Westeuropa ab und begann neue Wege zu suchen, mit Russland zu verhandeln. Dies hat zu einer zweimonatigen politischen Krise geführt. Inzwischen steht die Ukraine erneut an einem Kreuzweg. Wie wird sich die Lage in der Ukraine weiter entwickeln?

Die Ukraine galt lange Zeit als ein Grenzland zwischen Ost und West. Der Osten der Ukraine ist stark von der russischen Kultur beeinflusst und geprägt worden. In den Jahren der ukrainischen Sowjetrepublik war der Osten des Landes eine wichtige Basis der sowjetischen Schwerindustrie. Dabei gelten die Stahl- und Chemieindustrie sowie der Maschinenbau im Osten des Landes auch heute als wirtschaftliche Stützen der Ukraine. Und bis heute ist Russland der Hauptabnehmer der Produkte von Unternehmen im Osten der Ukraine. Dagegen hatte der Westen der Ukraine in den Jahren des Habsburger Reiches enge Kontakte mit dem heutigen Westen. Auch heute arbeiten viele Ukrainer aus dem Westen des Landes in europäischen Ländern. Auch vor diesem historischen Hintergrund schwankt die Ukraine immer zwischen Ost und West.

Analytikern zufolge suspendierte die Ukraine wegen des Widerstandes aus Russland die Vorbereitungen für die Unterzeichnung eines Abkommens mit der EU. Für Russland ist die Ukraine aus geopolitischer Sicht von großer Bedeutung. Dazu meint Petro Burkovskiy vom Ukrainischen Institut für Strategische Studien:

„Russland betrachtet die Ukraine als untrennbare eigene Einheit. Aus russischer Sicht schadet ein Vordringen des Auslands in die Ukraine unmittelbar den eigenen Interessen Russlands. Andererseits bedroht jegliche einer größeren Unabhängigkeit der Ukraine von Russland ganz unmittelbar Interessen der russischen Wirtschaft. Russland befürchtet zudem, dass der Machtkampf in der Ukraine sein eigenes Verhältnis zum Westen belasten wird.“

Für den Westen bedeutet die Ukraine einen neuen Markt sowie weitere Ressourcen und Arbeitskräfte. Dazu meint Petro Burkovskiy:

„Der Westen will die Ukraine nicht beherrschen, sondern hofft auf eine Freihandelszone mit der Ukraine. Zugleich braucht der Westen Arbeitskräfte aus der Ukraine, weil sich in Europa die Überalterung der Gesellschaft verschärft.“

Vor diesem Hintergrund muss die ukrainische Regierung versuchen, mit der Opposition gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und einen Dialog sowie Verhandlungen zu führen. Nur so kann die Ukraine die aktuelle politische Krise überwinden und einen richtigen Entwicklungsweg finden.

[CRI-Online]