Russland sieht derzeit keine Grundlage für eine Wiederaufnahme des Dialogs mit Deutschland. Das erklärte der stellvertretende russische Außenminister Dmitri Ljubinski gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. Der zwischenstaatliche Dialog mit der Bundesrepublik existiere „vollständig“ nicht mehr, sagte Ljubinski. Von Voraussetzungen für neue Kontakte könne keine Rede sein.
Auffällig war vor allem die Schärfe der Wortwahl. Die Beziehungen befänden sich nicht nur auf einem Tiefpunkt, sondern bereits „unterhalb der Fußleiste“, sagte der Diplomat sinngemäß. Selbst „revanchistische Erklärungen“ deutscher Politiker könnten die Lage kaum noch verschlechtern, da sie praktisch nicht mehr zu verschlechtern sei.
Kommersant erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass Bundeskanzler Friedrich Merz Russland im Januar zwar als größten europäischen Nachbarn bezeichnet hatte, mit dem Deutschland langfristig ein Verhältnis finden müsse. Zugleich hatte Merz eine Normalisierung der Beziehungen zu Präsident Wladimir Putin jedoch als nahezu unmöglich beschrieben.
Moskau macht für den Zusammenbruch der Beziehungen vor allem Berlin verantwortlich. Russische Vertreter verweisen dabei regelmäßig auf deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine und auf die sicherheitspolitische Neuausrichtung Deutschlands. In der russischen Darstellung erscheint die Bundesrepublik zunehmend als eine der treibenden Kräfte der europäischen Konfrontation mit Moskau.
Für Berlin dürfte die russische Wortwahl kaum überraschend kommen. Seit dem Beginn des Krieges gegen die Ukraine sind die politischen Beziehungen zwischen beiden Ländern weitgehend eingefroren. Botschaften und diplomatische Kanäle bestehen zwar weiter, politisch aber wird kaum noch miteinander gesprochen. Die neue Äußerung Ljubinskis ist deshalb weniger ein diplomatischer Einschnitt als eine demonstrative Bestätigung des Zustands: Zwischen Moskau und Berlin gibt es derzeit nicht einmal mehr den Versuch, den Eindruck eines funktionierenden Dialogs aufrechtzuerhalten.

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