Mit Kalaschnikow zum Studium

Foto: Wikipedia/Shmelin CC BY-SA 3.0Foto: Wikipedia/Shmelin CC BY-SA 3.0
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Stopp – vermutlich denken Sie jetzt gerade in eine völlig falsche Richtung. Wir reden hier nicht über die USA, wo es Usus zu sein scheint, dass man sich nur bewaffnet aus dem Haus traut, eben auch zur Schule. Auch reden wir nicht von einem Zentralafrikanischen Staat, bei denen man nie genau wissen kann, welche Rebellentruppe gerade nach der Macht strebt.

Nein wir sprechen über Russland. Aber Sie werden jetzt immer noch das falsche Bild im Kopf haben. Vielmehr geht es um das Unternehmen eines der erfolgreichsten Waffenkonstrukteure weltweit. Der betreibt seine Firma in Ischewsk im mittleren Ural und ist nach seinem legendären Gründer, dem inzwischen verstorbenen, Mikhail Kalaschnikow benannt.

Und da „Die Rüstungsindustrie derzeit eine Lokomotive der russischen Wirtschaft“ sei, so der russische Militärexperte Igor Korotschenko, plant „Ischmasch“ (Ischwsker Maschinen Werk), soweit der korrekte Name des Unternehmens, für seine Mitarbeiter eine „korporativen Universität“ zu errichten. Nach Angaben des Konzerns soll diese Investition die Produktions- und Verwaltungskompetenzen des Personals fördern, zumal die Waffenschmiede mehr und mehr auf moderne Technologien setzt.

Die Waffenschmiede rüstet auf

Der Tageszeitung „Iswestija“ gegenüber erläuterte der Kalaschnikow-Geschäftsführer Alexej Kriworutschko: „Seit zwei Jahren haben wir mehr als drei Milliarden Rubel (rund 40 Millionen Euro) in die Weiterentwicklung der Produktion investiert. Derzeit werden moderne Werkzeugmaschinen zur Verfügung gestellt, die fortschrittlichsten Technologien eingesetzt. Die Produktion wird umfassend weiterentwickelt. Diese Vorgänge erfordern von den Mitarbeitern des Konzerns bestimmte Kenntnisse und Kompetenzen. Ohne deren dynamische Entwicklung ist es unmöglich, einen qualitativen Schritt voran zu machen. Die Entwicklung des Humankapitals zählt deshalb zu den strategischen Prioritäten des Konzerns.“

Sein stellvertretender Geschäftsführer Michail Nenjukow ergänzte: „Die Gründung der Universität ermöglicht dem Konzern, sein Humankapital selbständig weiterzuentwickeln und die Menschen sofort an jenen Aufgaben zu orientieren, die dann während der Arbeit am Produktionsort zu lösen sind. Die Universität soll dabei helfen, einen neuen Mitarbeiter-Typen zu formen, der die Arbeit als Möglichkeit zur Selbstverwirklichung betrachtet und hohe Leistungen im Beruf erbringen kann.“

Im laufenden Jahr sollen daher 3.000 Mitarbeiter ihre Ausbildung zu neuen Fertigkeiten im Labor bekommen. Auch die Staatsholding „Rostec“ begrüßt die Idee. „In unseren Betrieben ist zuvor ein Ungleichgewicht zwischen unerfahrenen und älteren Mitarbeitern entstanden, während die mittlere Ebene ausblieb. Nun sollen die korporativen Universitäten diese Situation nivellieren. Wir bilden Fachleute in verschiedenen Berufen aus, erhöhen ihre Qualifikationen und ermöglichen ihnen folglich einen Aufstieg in Beruf und Karriere“, wie ein Mitarbeiter „Iswestija“ mitteilte.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.