Misstöne beim Biathlon

Foto: commons.wikimedia/Miceman CC BY-SA 3.0
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Zuerst die gute Nachricht. Die russische Biathlon-Staffel erkämpfte sich bei der Weltmeisterschaft in Hochfilzen die Goldmedaille. Was danach folgte, war schlichtweg ein Eklat. Der Veranstalter spielte bei der Siegerehrung die falsche Hymne ab.

Allen Doping-Vorwürfen und -Gerüchten zum Trotz gelang der russischen Auswahl in Tirol beim Staffelwettbewerb im Biathlon der glatte Sieg gegen die Konkurrenz. Bei der Siegerehrung jedoch war es vorbei mit den strahlenden Gesichtern. Als sich die Russen zur Kür ihrer Leistung auf dem Podest gruppierten, ertönten ungewohnte Klänge aus den Lautsprechern der Wettkampfstätte. Die Athleten schüttelten, statt ehrfürchtig ergriffen zu sein, nur verwundert ihre Köpfe.

Für jedermann deutlich zu vernehmen wurde eine veraltete Nationalhymne der russischen Föderation vom Band gespielt, die ihre Gültigkeit als Nachfolgehymne der Sowjetunion bereits im Jahr 2000 verloren hatte. Gestenreich an den Zeremonienmeister gewandt, wurde das „Patriotische Lied“, wie die Hymne einst genannt wurde, von den Medaillenträgern gestoppt. Ratlosigkeit, Pfiffe aus dem Publikum – der so schön begonnene Tag schien letztendlich doch noch versaut.

Bis, ja bis Dmitrij Guberniew, der bekannteste Sportreporter der Nation, beherzt eingriff und das heute gültige Weihelied auf Russland einfach selbst intonierte. Die Sportler fielen in seinen Gesang mit ein, die Ehre war wieder hergestellt. Auch der Veranstalter gab sein Bestes und schickte die richtige Nationalhymne gleich noch hinterher. Nach so vielen Hymnen am Stück und einer vorläufigen Entschuldigung geht man in Tirol nun an die Ursachenforschung.

Der Fauxpas werde Folgen haben, drohte der Veranstalter gleich unmittelbar nach der Panne. Das Event-Team soll vom Organisations-Komitee abgestraft werden, so der aktuelle Stand der Dinge. Franz Berger, der Organisationsleiter in Hochfilzen kündigte, um die Russen wieder zu beruhigen, gegenüber der russischen Nachrichtenagentur „Tass“ an, dass dem Event-Team wegen dieses folgenschweren Fehlers ein Teil des Lohns abgezogen werden soll. Das sollte zur Rettung der Ehre dann aber auch genug sein.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.