Minister will russisches Gemüse

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Wegen des Lebensmittelembargos gegen die Europäischen Union setzt Russland wieder verstärkt auf die heimische Produktion. Nun erklärt das Landwirtschaftsministerium den Gemüseanbau zur Chefsache. In spätestens fünf Jahren soll sich Russland weitgehend aus eigenem Anbau versorgen können.

Dreißig Prozent habe man schon geschafft, frohlockt der russische Landwirtschaftsminister Alexander Tkaschow. Dreißig Prozent, damit beziffert er den Ertrag an Gemüse, das aus russischem Anbau stammt und nicht aus Importen aus dem westlichen Ausland. Tkaschow gilt als Hardliner unter den Verfechtern der Importsubstitution und des damit verbundenen Lebensmittelembargos. Dreißig Prozent eigenes Gemüse ist seine stolze Bilanz aus drei Jahren Importstopp und er will noch mehr. 90 Prozent von der heimischen Scholle ist sein erklärtes Ziel.

Für das Jahr 2017 erwartet der Landwirtschaftsminister trotz des bisher schlechten Wetters einen Mehrertrag von dreieinhalb bis vier Prozent, wie die Zeitung Iswestia berichtet. Das entspricht einer Ernte von rund 16 Millionen Tonnen. Tkaschow ist sich seiner Sache sicher, wenn er sagt, dass die russische Bevölkerung einheimische Produkte kaufen wolle. Rückendeckung bekommt er von Ministerpräsident Medwedew, der laut dem Kommersant gar nicht daran denkt, das Embargo aufheben zu wollen. Erst im vergangenen Juni wurden die Maßnahmen von Präsident Putin bis Ende des Jahres 2018 verlängert.

„Für die (Lebensmittel-) Industrie wären auch zehn Jahre (Verlängerung) gut. Was soll ich als Landwirtschaftsminister sonst sagen“, wird Tkaschow vom Wirtschaftsmagazin Forbes zitiert. Betroffen von den russischen Strafmaßnahmen sind Fleisch und Molkereiprodukte sowie Gemüse und Obst. Was davon Importiert werden muss, stammt derzeit noch aus Zentralasien, Nordafrika und Südamerika. Der Firmensprecher der Moskauer Supermarktkette WkusWill, Jewgeni Schtschepin, glaubt ebenfalls, dass die Wirtschaftssanktionen die russische Lebensmittelbranche beflügele, vermeldete die Agentur dpa.

Der einzige Wermutstropfen sei, so die Russische Akademie für Volkswirtschaft (RANEPA), dass der Verbraucher etwas tiefer in die Tasche greifen muss. Wie Experten eruierten, müssten die Russen für ihre Lebensmitteleinkäufe im Durchschnitt rund 4.400 Rubel, das entspricht etwa 70.- Euro, mehr für ihre Einkäufe bezahlen. Qualität aus heimischen Landen hat eben auch in Russland ihren Preis.

[mb/russland.NEWS]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.