Liebe in der Krise. Die Situation in der Ukraine hinterlässt Spuren auch bei der Partnervermittlung

[Von Daria Boll-Palievskaya]  „Vollblutige rassige Ukrainerinnen“, “Zärtliche ukrainische Bräute suchen einen deutschen Mann“-  vor allem seit der Ukrainekrise muss viel Geld in die Werbung für ukrainische Frauen geflossen sein. Denn auf fast allen deutschsprachigen Osteuropaseiten lachen ukrainische Frauen einem entgegen. Hundertausende Ukrainerinnen scheinen kaum abwarten zu können, einen deutschen Mann zu heiraten.

Doch wie hoch ist diese Zahl tatsächlich? Die meisten Vermittlungsagenturen schweigen darüber aus. Denn viele von ihnen arbeiten mit professionellen Models. Sie werden dafür bezahlt, einen Brief an einen Ausländer zu schreiben oder mit ihm essen zu gehen. Eine 10% Provision vom Restaurant ist inklusive.

Es gibt aber natürlich Ukrainerinnen, die einen Deutschen heiraten wollen. „Wir kennen jede Frau, die bei uns auf der Homepage vertreten  ist“, sagt Michail Mordinson von der Heiratsagentur „Mordinson“ aus der ukrainischen Millionenstadt Charkow. „Zu uns kommen Frauen, die unbedingt heiraten wollen. Die sind auch bereit, dafür ihr Land zu verlassen, aber das steht nicht im Vordergrund“.  Das Problem ist der Männermangel in der Ukraine. „Es gibt einfach mehr gute Frauen als Männer. Außerdem sind ausländische Männer eher bereit, eine Frau mit Kind zu heiraten. Für ukrainische Männer ist das immer noch ein Riesenproblem.“

„Der Hauptgrund ist ihre Desillusionierung über ukrainische Männer. Rein demographisch gesehen gibt es nicht genug Männer im entsprechenden Alter“, bestätig die gebürtige Ukrainerin Natalya Pastukhova, die vor zehn Jahren „Partnervermittlung Ukraine“ in Essen gründete. „Wegen der wirtschaftlichen Lage sind viele nicht im Stande, eine Familie zu versorgen. Ein Arzt verdient in der Ukraine um die 250 Dollar im Monat. Aus dieser Perspektivlosigkeit greifen viele zur Flasche. So einen Mann wollen die Frauen nicht haben. Und deutsche Männer sind für ihre Zuverlässigkeit bekannt, sie stehen zu ihrem Wort. Man kann mit ihnen eine Familie gründen. Viele ukrainische Männer versprechen das Blaue vom Himmel und wissen am nächsten Tag nicht, wie du heißt“.

Seit der Krise hat sich die wirtschaftliche Lage in der Ukraine rapide verschlechtert. Doch einheimische Partneragenturen verzeichnen keinen Ansturm an Damen, die unbedingt einen Ausländer heiraten wollen. „Wir bekommen ständig neue Frauen, aber ich habe noch nicht gehört, dass sie aus Angst das Land verlassen wollen. Unsere Damen wiegen ab und sind nicht weniger wählerisch als die Männer. Sie sitzen nicht auf den Koffern“, sagt Michail Mordinson. Dabei finden nur einige Hundert Kilometer entfernt Kämpfe statt. Charkow Bewohnerinnen scheinen aber nicht besonders beunruhigt zu sein. Seine westlichen Kunden sind aber schon verunsichert. „Sie fragen viel mehr über die Sicherheit nach“. Um die Kunden zu beruhigen, kam Michail auf die Idee, Videos über Charkow zu drehen, um zu zeigen, dass die Lage in der Stadt ruhig ist.

„Die Krise ist kein Grund, über die Nacht einen Ausländer zu heiraten. Wir haben also nicht mehr Anfragen. Und aus den unmittelbaren Krisengebieten Lugansk und Donezk gibt es gar keine Anfragen mehr, obwohl wir früher da auch interessierte Damen hatten. Sie sind jetzt mit anderen Dingen beschäftigt. Die Nachfrage auf der Seite der Männer ist allerdings rapide zurückgegangen“, weiß Natalya Pastukhova. „Auch wenn ein Mann  Interesse hat, alle raten ihm davon ab: „Bist du verrückt, dort herrscht doch Krieg“.  Meine Damen fragen mich, wo sind die Männer, warum kommen sie nicht?“ Aber wenn man die Nachrichten guckt, bekommt man Angst. Ich sage zwar, dass in den meisten Städten ein ganz normaler Alltag herrscht, viele bleiben aber skeptisch“.

So wie der 36jährige Lehrer Andreas aus Berlin. Er schrieb viele Monate mit Inna aus Kiew. Um seine Traumfrau persönlich kennen zu lernen, musste er nur noch nach Kiew reisen. Doch dann kam Maidan. Andreas zögerte, denn die Lage wollte und wollte sich nicht beruhigen. Egal wie Inna auch versuchte ihn zu überzeugen, der Flug wurde immer verschoben. Inzwischen hatte Frank aus Dortmund Inna auf der Seite der Partnervermittlung gesehen. Er zappelte nicht lange, packte seine Koffer und flog in die ukrainische Hauptstadt. Nach nur zwei Wochen hat sich Inna von der Partnervermittlung abgemeldet. Wahrscheinlich, ist sie mit Frank glücklich geworden. „Dann war Andreas eben nicht mein Held“, sagte sie.

Über den Autor

Dr. Daria Boll-Palievskaya
Selbstständige interkutlurelle Trainerin und Coach mit Schwerpunkt Russland. Berät deutsche Unternehmen bei ihrem Engagement in Russland. Freiberufliche Journalistin und Publizistin